B L O G
Wie das in einem Blog oder Internet-Tagebuch so üblich ist, sind die folgenden Einträge jeweils von meinen Erlebnissen, subjektiven Eindrücken und Tagesereignissen geprägt. Nicht mehr und nicht weniger. Viel Freude!



Ankündigung:

02. Juni
Internationaler Hurentag

+ 1. Lesung des ProstSchG

im Bundestag

Treffen: 11.00 Uhr

vor dem Bundestag

zwischen Louise-Schröder-Haus + Bundestag

 

                                   

 

Fr. 13. 05. 2016


Anlässlich der Sitzung des Bundesrat protestierten SexarbeiterInnen, ihre Verbände und UnterstützerInnen und forderten die ersatzlose Streichung des angestrebten ProstSchG. Der Bundesrat hatte sich mit diesem Gesetzesentwurf befasst und seine Ausschüsse hatten Empfehlungen erarbeitet, die unter unter TOP 11 zur Abstimmung kamen. Leider verfehlten die meisten Empfehlungen die benötigten Mehrheiten, wie z. B. die Zustimmungspflichtigkeit des Gesetzes durch den Bundesrat und die Streichung der Annmeldepflicht für SexarbeiterInnen.
 

Offener Brief des Bündnisses

 

Offener Brief BSD e. V.
 

weitere Infos: www.bsd-ev.info


So 1. Mai 2016:

Bei der traditionellen 1. Mai-Demo - dem Tag der Arbeit - waren wir Sexarbeiter_innen mit einem eigenen Block vertreten und machten aufmerksam auf das geplante Prostituiertenschutzgesetz.

Dieses Gesetz wird die Arbeitsbedingungen von Sexarbeiter_innen verschlechtern, die Führung von Bordellen scheint damit fast unmöglich wegen der besonderen Auflagen und dem Unvermögen, das Bauecht auf die Branche anzupassen. Kunden werden unter Generalverdacht gestellt und können mit einer Geldbuße in Höhe von bis zu 50.000,00 Euro belegt werden - bei Verkehr ohne Kondom. Wie will man das überprüfen?

 

Deshalb gingen wir am 1. Mai auf die DGB Demo.

    Wir riefen auf der Demo die Gewerkschaften auf sich mit uns zu solidarisieren.

    Wir riefen die Gewerkschaften auf, sich unserer Arbeitskämpfe anzunehmen.

    Wir riefen feministische Mitstreiter_innen auf, sich mit uns zu solidarisieren und in unserem Block mitzukommen.

 

Wir kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen und gegen die Zerstörung der Vielfalt unserer Arbeitsplätze.

 

Wir  demonstrierten am 1. Mai für unsere Rechte.

 

Und: wir forderten:

 

    Redet mit uns nicht über uns!

    Fragt uns, was wir unter guten Arbeitsbedingungen verstehen!

 

 

Fr. 29. 04. 2016

 

Do. 21. 04. 2016, 19.30 Uhr
Veranstaltung "Alles nur Luft und Liebe"
in der Werkstatt der Kulturen/Clubbühne, Wissmannstr. 32, Berlin-Neukölln

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Care - Umsorgt werden, Wohlfühlen, Genuß. Care- oder Sorgearbeit ist eine Arbeit mit ethischem Anspruch. Das Wohl der Anderen im Blick, geht es um mehr als nur das Versorgtwerden, der Wunsch heißt, sich wohlfühlen und sogar genießen. Denn Leben ist mehr als Weiterleben: Zufriedenheit, Entspannung, Freude. Doch wie sieht es für die Menschen aus, die diese Arbeit verrichten? Oft fehlt es an Wertschätzung der Arbeit, guten Arbeitsbedingungen und angemessener Bezahlung in der Sorgearbeit. Unter welchen Bedingungen finden diese Arbeiten statt?


Mit Rap, Spoken Word und im Gespräch werden Einblicke in die Arbeitswelt der häuslichen 24-Stunden-Pflege und in der Sexarbeit präsentiert.


Das was gesellschaftlich, traditionell abgewertet, als Frauen*arbeit kostenlos und aus Liebe erbracht werden soll, holen wir aus der Unsichtbarkeit auf die Bühne.

Auf dem Podium:
Sarah Schillinger (Soziologin), unterstützt als Aktivistin das Respekt-Netzwerk, Schweiz, 24-Stunden-Betreuerinnen in Privathaushalten (http://respekt-vpod.ch),
Stephanie Klee, Sexarbeiterin/move e. V., Bildung und Kommunikation in  der Sexarbeit (www.move-ev.org),
"Idref" der rappende Altenpfleger aus Paderborn,
Mathias Düring, Intensivfachpfleger und Student, Spoken Word,
Emy Fem + Kay Garnellen, SexarbeiterInnen aus Berlin mit einer Performance

Netzwerk Care Revolution www.care-revolution.org

Die Veranstaltung ist kostenlos.
Die Räume sind rollstuhlgerecht.

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Mo 21. 03. 2016
Nachdem angebliche Feministinnen lange gegen Prostitution wetterten und deren Abschaffung oder zumindest als einen ersten Schritt dahin die Einführung des sog. Schwedischen Modells forderten, tritt langsam eine Kehrtwende ein:
(andere) Feministinnen treten öffentlich auf, treten an die Seite von SexarbeiterInnen und unterstützen diese in ihren Forderungen nach Rechten, Respekt und Beteiligung an allen Gesetzgebungsverfahren.

- Prof. Dr. Kathrin Schrader hielt folgende beeindruckende Rede:
  "Sexarbeit – das Tabu des konservativen Feminismus
  oder warum haben manche Feminist_innen Probleme mit Sexarbeit, wenn Sie doch Carearbeit als zwingend notwendig erachten?
  Der folgende Text ist das Manuskript des Vortrags auf dem Sexarbeitskongress an der HAW (2.-4. März 2016). Im Vortrag habe ich mich den folgenden 5 Thesen gewidmet und einen Vorschlag
  unterbreitet:
  1. Sexarbeit ist feministisch, aber Feminismus ist manchmal paternalistisch.
  2. Sexarbeit ist ein Teil von Carearbeit.
  3. Care- und Sexarbeit sind Dienstleistungen in kapitalistischen Verwertungsprozessen.
  4. In einer freien Gesellschaft wird es Carearbeit und damit auch Sexarbeit geben.
  5. Sexarbeit als Zwang oder bezahlte Vergewaltigung zu bezeichnen, ist zutiefst unfeministisch."
 

zum Weiterlesen
 

- Andere haben ein Feministisches Manifest erstellt und fordern zur Unterzeichnung auf:
"
Als Unterzeichner*innen dieses Manifests bekunden wir unsere Unterstützung für die Selbstbestimmungsrechte von Sexarbeiter*innen und die Anerkennung von Sexarbeit als Arbeit. Weil Frauenrechte, reproduktive Rechte und die Gleichstellung der Geschlechter in ganz Europa und Zentralasien bedroht sind, erklären wir unsere Solidarität mit Sexarbeiter*innen, die mit unzähligen Formen von Gewalt konfrontiert sind: von der strukturellen und institutionellen bis zur körperlichen und zwischenmenschlichen Gewalt. Um die systematische Unterdrückung von Sexarbeiter*innen angehen zu können, fordern wir alle Feministinnen auf, ihre Ressourcen auf die Inklusion von Sexarbeiter*innen und auf die Verstärkung ihrer Stimmen in der Bewegung zu konzentrieren und gleichzeitig aufzuhören, rechtliche Rahmenbedingungen zu unterstützen, die sich als schädlich für die Rechte von Sexarbeiter*innen erwiesen haben....."


zum Weiterlesen und Unterzeichnen


 

So. 20. 03. 2016
Ein absolutes MUSS: Sexarbeiterin - ein Film von Sobo Swobodnik mit Lena Morgenroth. Der Film hat mich berührt und begeistert. Wenn er auch "nur" die spezielle Arbeit der hochgeschätzten Kollegin Lena als Tantra-Masseurin mit ggfs. BDSM-Anteilen darstellt, so ist er doch endlich eine realistische Schilderung unser aller Arbeitwelt mit vielen positiven Komponenten - ohne die negativen auszusparen. Er macht den wichtigen Stellenwert von Sexualität und Prostitution in unserer Gesellschaft deutlich und hilft in der aktuellen Debatte um das sog. ProstituiertenSchutzGesetz.

Ein empfehlenswerter Film, der in vielen Kinos jetzt zu sehen ist - oft mit anschließender Diskussion mit Protagonisten.

 

So. 06. 03. 2016
Impressionen von den Aktionen "Keine Registrierung - kein ProstSchG" während des Sexarbeits-Kongress in Hamburg und während der Demo zum Frauen*kampftag:

Fotos: F. Strack + St. Klee

Die Aktionen machen deutlich, dass eine staatliche "Zwangs-Registrierung" mit "gesundheitlicher Zwangs-Beratung" für SexarbeiterInnen nur Kontrolle und Reglementierung bedeutet, keinesfalls "Schutz" und den Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und Berufsrechte von SexarbeiterInnen billigend in Kauf nimmt. Sie sind Ausdruck von staatlicher Gewalt und einem falschen Bild der Prostitution ..... auf dem Weg zu ausschließlich bürgerlichen, konservativen und überholten Lebensformen.

Bei der Frauen*kampftagsdemo trotzen wir dem Regen und den sonstigen Widrigkeiten: unser SexarbeiterInnen-Block fiel nicht nur werden der vielen roten Regenschirme auf, sondern auch durch die "mobilen Registierungsbehörden", wo zahlreiche '"Hurenausweise" symbolisch ausgestellt wurden. Gleichzeitig demonstrierten die GegnerInnen der Prostitution, wo frau sich schon fragen muss, was das mit Feminismus zu tun hat?
weitere Infos: #prosexarbeit

 

 


 

Sexworkers rights are human rights - gegen Transphobie, Stigma und Diskriminierung

Wir Sexarbeiter_innen und Sympathisant_innen unterstützen den Aufruf zur bundesweiten Demo zum Internationalen Frauen*Kampftag. Wir werden - in der Tradition des Internationalen Frauentages - in einem eigenen starken Block bei der Demo dabei sein und unsere Forderungen vertreten:

- unser Recht auf sexuelle Selbstbestimmung - wir bestimmen mit wem wir Sex haben und welchen Sex wir haben und ob wir dies kostenfrei oder für Geld tun,

- für unser Grundrecht auf Arbeit wie andere Selbstständige und freie Erwerbstätige auch,

- gegen weitere Diskriminierung und Stigmatisierung und gegen eine breite staatliche Registrierung von Sexarbeiter_innen mit PFLICHT-Beratungen,

- gegen unsere TOTAL-Überwachung und den fehlenden Datenschutz.

Wir fordern Rechte, Respekt, Empowerment und Professionalisierung.

 

 

Do. 04. Febr. 2016
Der neue Kinofilm "Suffragette" hat mich tief bewegt. Nicht nur weil er Parallelen aufzeigt zwischen dem damaligen Kampf für das Wahlrecht für Frauen und dem heutigen Kampf für Rechte von SexarbeiterInnen, sondern weil er auch deutlich macht, welch großen Einsatz die Frauen geleistet und welch hohen Preis sie gezahlt haben - für uns alle, die Nachgeborenen!

Suffragette ist ein leidenschaftliches, historisches Drama über die Opfer, die britische Arbeiterinnen 1912 im Kampf um Wahlrecht und Gleichstellung gebracht haben.

Aus der Ankündigung: "Die Feministin Emmeline Pankhurst (Meryl Streep) gründet 1903 in Großbritannien die Frauenvereinigung WSPU (Women's Social and Political Union). Das ultimative Ziel der politischen Gruppe ist es, das Wahlrecht für Frauen zu ermöglichen. Die Mehrheit der engagierten Frauen führt friedfertigen Aktionen aus, die aus öffentlichen Reden und dem Verteilen von aufklärenden Zetteln bestehen. Mit ihren ruhigen Methoden haben die Frauen bisher keinen Erfolg erzielt. Im Jahr 1912 beschließen sie, eine andere Strategie zu fahren und die komplette Rebellion auszurufen. Zur gleichen Zeit stößt die junge Maude (Carey Mulligan) durch den Einfluss der Aktivistin Edith Ellyn (Helena Bonham Carter) zu den Suffragetten. Maude musste bereits als siebenjähriges Mädchen in einer Wäscherei schuften und hat nun als Erwachsene für ihren Mann Sonny (Ben Whishaw) und ihren kleinen Sohn zu sorgen. Sie möchte sich ihr Leben nicht mehr von den Interessen der Männer diktieren lassen. Maud nimmt bald aktiv an den neuen Aktionen der Bewegung teil: Die Frauen ketten sich auf öffentlichen Plätzen an, werfen Fensterscheiben ein und zünden kleine Sprengsätze. Mit ihren radikalisierten Methoden erklären sie den herrschenden Machtverhältnissen den Krieg. Dabei werden sie vom Gesetz mit der größten Härte verfolgt. Die Frauen mussten einen langen Leidensweg hinter sich bringen, bevor ihnen schließlich 1928 das volle Wahlrecht zuerkannt wird. Das berührende Filmdrama erzählt die wahre Geschichte der Suffragette-Bewegung. Dabei werden fiktive Figuren zusammen mit historischen Personen gezeigt. So spielt die Oscarpreisträgerin Meryl Streep die radikalfeministische Aktivistin Emmeline Pankhurst. Diese verstarb Anfang 1928, kurz bevor das Frauenwahlrecht eingeführt wurde."

Trotz dieser vielseitigen Aktionen, trotz der Anhörung im Parlament, trotz ihrer Radikalisierung - nichts zeigt Wirkung. Erst der bewußte Tod einer Aktivistin reist das Ruder um. Welch ein Preis!

Doch:
Frauen haben noch längst nicht überall auf der Welt das Frauenwahlrecht. Und von Gleichberechtigung kann auch noch lange nicht die Rede sein.

Es ist noch viel zu tun - auch von uns SexarbeiterInnen!
 

zum Trailer

 

Die. 02. 02. 2016
Die beliebte ARD-Sendung "Um Himmels Willen" hat ebenfalls das Thema Sexualassistenz entdeckt. In der 185. Folge "Bauer in Not" gehen die Nonnen relativ gelassen und pragmatisch mit dem Wunsch eines jungen Rollstuhlfahrers um, der als seinen letzten Wunsch Sexualität mit einer Frau äußerte und die Schwester bat, dies zu vermitteln - mit einer Sexualassistentin.
Diese verhält sich bewundernswert professionell und lehnt jegliche Absprache über ihre Dienste mit der Schwester ab und erklärt, dass sie dies selbstverständlich mit dem Herrn allein besprechen werde.


In der ARD-Mediathek zu sehen

 

Do. 17. 12. 2015:

Anlässlich des Internationalen Tages von Gewalt gegen SexarbeiterInnen hat TAMPEP International Foundation, ein seit 1993 bestehendes, in 28 europäischen Ländern aktives Netzwerk, das die Situation von SexarbeiterInnen beobachtet und konkrete Lösungen erarbeitete, um diesen mehr Zugang zu Rechten und Beratungsangeboten zu eröffnen und ihnen eine Stimme zu geben, Stellung genommen zur neueren, besorgniserregenden Entwicklung in vielen Ländern und dem Druck von ProstitutionsgegnerInnen.

Wir haben uns den Forderungen angeschlossen, z. B. „die Kriminalisierung von Sexarbeit und das Schwedische Modell zu bekämpfen“… „ und allen Sexarbieter_innen in Europa die Inanspruchnahme ihrer Menschenrechte zu ermöglichen.“

 

Weiterlesen: Tampep Papier Dez. 2015
Liste der UnterzeichnerInnen


Die. 24. 11. 2015
Das Fachgespräch der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen „Prostituiertenschutzgesetz: Wo Schutz drauf steht, muss Schutz drin sein“ im Deutschen Bundestag am 24.11.2015. mit den exzellenten Experten:


Ulle Schauws MdB, frauenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen,

Heidrun Nitschke vom Gesundheitsamt in Köln,

Anja Kasten vom Bundesverband erotische und sexuelle Dienstleistungen und

Dr. Anja Schmidt von der Universität Leipzig

hat einmal mehr gezeigt, wie leicht es ist, immer wieder Bekanntes zu bestätigen und wie schwer es ist, den üblichen Blick auf die Prostitution und ihre Beteiligten zu verändern, nämlich

-        - SexarbeiterInnen nicht als ständig Opfer sondern als aktiv Handelnde zu sehen, mit dem Recht auf Respekt, rechtlicher Gleichheit und der Notwendigkeit von Professionalität,

-        - BordellbetreiberInnen nicht ausschließlich als Kriminelle und Ausbeuter zu bezeichnen, sondern ihnen den Status als UnternehmerInnen zuzugestehen und sie daran auch zu messen; denn sie sind der Dreh- und Angelpunkt für gute Arbeitsbedingungen für SexarbeiterInnen – mit der Einführung von Mindeststandards als einen ersten Schritt,

-                -  und Kunden endlich als solche wahrzunehmen und auch mit ihnen in den Dialog zu treten.

Weitere Infos zu Fachgespräch

Anlässlich des Fachgesprächs kam es vorher zu einer Protestaktion von SexarbeiterInnen und SympathisantInnen zur geplanten Registrierungspflicht der Bundesregierung:

 

P R E S S E M I T T E I LU N G !

 

 

Berlin, am 24.11.2015 ab 10:15 Uhr: 

 

"Wir lassen uns nicht registrieren!" -  "Wir haben ein Recht auf unsere Arbeit!"

 

Sexarbeiter*innen und ihre Unterstützer*innen protestieren heute vor dem Deutschen Bundestag/Paul-Löbe-Haus gegen das geplante "Prostituiertenschutzgesetz". Anlass ist das ab 11 Uhr stattfindende Fachgespräch der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen: „Prostitutionsschutzgesetz: Wo Schutz drauf steht, muss Schutz drin sein“.

 

Mit Plakaten und roten Regenschirmen, dem internationalen Symbol der Sexworker-Bewegung, erklären sie ihren Widerstand "gegen Zwangsberatung, Zwangsouting, Kontrolle und weitere diskriminierende Behandlung". 

 

"Wir fordern gleiche Rechte wie andere Selbstständigen und Gewebetreibende. Wir bestehen auf unser grundgesetzlich verbrieftes Recht auf Arbeit."

"Das Ziel, Menschenhandelsopfer aufzudecken, wird mit diesen Maßnahmen sicher nicht erreicht! – Rechte, Respekt und Professionalität brauchen wir.", so Stephanie Klee, Sexarbeiterin.


Als Pressevertreter*innen sind Sie herzlich eingeladen, die Aktion zu begleiten, zu filmen, zu fotografieren und Ihre Fragen zu stellen.

Zeit: 24.11.2015, 10:15 Uhr
Treffpunkt: Vor dem Paul-Löbe-Haus, Konrad-Adenauer-Straße 1, 10557 Berlin.

Dies ist eine Aktion im Rahmen des bundesweiten Boykott-Aufrufes gegen die Pläne der Bundesregierung.

Aktionsbündnis gegen das geplante sog. ProstituiertenSchutzgesetz
 

 

Mi. 18. 11. 2015
Radio-Interview von Torsten Hochmuth mit Stephanie Klee
auf Piradio.de zu: Sexarbeit ist Arbeit

zum Nachhören:

http://cba.fro.at/303174
 

Do. 29. 10. 2015

Altweibersommer - oh wie schön!

Do. 08. 10. 2015
Ein besonderes Ereignis bot sich dem Interessierten an Kultur und Pflege: CareSlam - vom Boden auf die Bühne.

Pflegekräfte aus Krankenhäusern und Senioren- oder Pflegeeinrichtungen berichteten von ihren Erfahrungen, Gefühlen und Wünschen und Forderungen, indem sie eigene Texte vorlasen, Gedichte vortrugen, eigene Lieder sangen und zum "Kampf" aufriefen, für Veränderungen in diesem so wichtigen Arbeitsbereich. Witzig - frech - einfühlsam - ergreifend - erhellend - mitreißend - bewegend und beweglich.

Die Fotos geben einen guten Eindruck von der Vielfalt und der Grandiosität der einzelnen "Slamer", Experten und Vortragenden und ich als Sexualassistentin unter ihnen. Danke an Yvonne und Mona für die Idee, die Arbeit und den Mut für dieses neue Projekt. Viel Erfolg weiterhin.

https://www.flickr.com/photos/101502199@N07/sets/72157659636681295

Do. 01. 10. 2015
„Wir lassen uns nicht registrieren!“, „Wir haben ein Recht auf unsere Arbeit!“

Heute fand in Berlin eine große Protestaktion von SexarbeiterInnen vor dem Bundesfamilienministerium statt. Mehr als 70 Personen demonstrierten gegen das geplante Prostituiertenschutzgesetz, das u. a. eine Zwangs-Registrierung von SexarbeiterInnen mit einer Art „Gesinnungs-oder Eignungsprüfung“ in jeder Stadt mit einer vorausgehenden Zwangs-Beratung beim Gesundheitsamt vorsieht.
Diese Anmeldebestätigung (mit ihrem Namen und ihren vollständigen Daten), der inzwischen schon „Hurenausweis“ genannt wird, muss sie immer während der Arbeit bei sich führen und dem Betreiber, Behörden und ggf. auch Kunden vorlegen.
Für keinen anderen Beruf gibt es ein solch diskriminierendes Prozedere, das einen schweren Eingriff in die Selbstständigkeit der SexarbeiterInnen, ihr Recht auf Anonymität und ihre Grundrechte auf die Arbeit darstellt und damit einem Berufsverbot gleichkommt.

Mit Transparenten und roten Regenschirmen, dem internationalen Symbol der Sexworker-Bewegung, skandieren sie „Zwangsregistrierung: Nicht mit uns!“ und erklären ihren Widerstand „gegen Zwangsberatung, Zwangsouting und Kontrolle“. Nach einer Ansprache übergeben sie über 1000 Protest-Unterschriften aktiver Sexarbeiter*innen gegen die geplanten Maßnahmen an drei Vertreterinnen des Familienministeriums.

„Wenn die Regierung uns helfen will, sollte sie auf das hören, was wir wirklich brauchen, anstatt uns zu entmündigen und paternalistisch über unsere Köpfe hinweg ein sogenanntes „Schutzgesetz“ zu verabschieden!“ so die Berliner Sexarbeiterin Mavis in ihrer Rede.

Anschließend zog die Demonstration spontan bis zum Brandenburger Tor.

Schutz von SexarbeiterInnen sieht anders aus!

Aufgerufen zur bundesweiten Boykott-Aktion gegen die Pläne der Bundesregierung hatte eine Gruppe von Berliner Sexarbeiter*innen mit Unterstützung von Hydra, BesD und BSD. Weit über 1000 praktizierende Kolleg*innen schlossen sich mit ihren Unterschriften dem Protest an.

Fotografin der letzten beiden Fotos: F. Strack
 

Die. 29. 09. 2015
Im Rahmen des sehr kontrovers diskutierten, von der Bundesregierung geplanten „Prostituiertenschutzgesetzes“ wehren sich SexarbeiterInnen gegen die vorgesehene Registrierungspflicht, haben dazu Unterschriften gesammelt und überreichen diese in einer Aktion dem federführenden Bundesfamilienministerium – Frau Bundesministerin Schwesig.

Fr. 11. 09. 2015
Prostitutionsschutzgesetz:
Neben der Registrierung von SexarbeiterInnen werden die InhaberInnen von Betriebsstätten - jeder Art - einer umfangreichen Kontrolle und Reglementierung unterworfen und insgesamt nur unter kriminalistischen Gesichtspunkten betrachtet. Die Auflagen sind kaum zu erfüllen.
Betriebsstätten sollen zwar genehmigt werden, aber da Regelungen im Bau- und Baunutzungsrecht fehlen, sind Schließungen zu erwarten.

Kunden müssen Kondome benutzen und werden bestraft, wenn sie dies nicht tun. Wie soll dies überprüft werden?

Insgesamt will man die bisher ungenügende Datenlagen mit einer umfangreichen Statistik erhellen. Die Sammelwut und Weitergabe von Daten wird zur totalen Kontrolle des Prostitutionsgewerbes führen.

Dieses Gesetz ist verfassungswidrig, rechtswidrig, menschenverachtend und schäbig. Es ist unverhältnismäßig und teuer und wird sein Ziel nicht erreichen!

Es ist abzulehnen!
Stellungnahme des BSD e. V. zum Referentenentwurf des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eines Gesetzes zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes sowie zum Schutz von in der Prostitution tätigen Personen.
Download hier

Di. 01. 09. 2015
 

Die Bundesregierung will Prostitution mit einem umfangreichen Gesetz "eindämmen" - aus meiner Sicht geht es u. a. darum,  für SexarbeiterInnen die Hürden für die Ausübung des Jobs so hoch zu machen, dass sie davor zurückschrecken und abtauchen oder sie davor abzuschrecken wegen des enormen Bürokratie- und Kostenaufwands.

So sollen SexarbeiterInnen sich zunächst bei einem Gesundheitsamt beraten lassen - in Fragen der Ernährung, der Schwangerschaft, des Drogen und Alkoholkonsums, etc. Darüber erhalten sie eine Bescheinigung - ausgestellt auf ihren Namen.
Damit müssen sie zu einer Registrierungsbehörde, die ihr Informationen gibt, sie auf Beratungsstellen hinweist und überprüft, ob sie über "die zum eigenen Schutz erforderliche Einsicht" verfügt.
Innerhalb von 5 Tagen entscheidet die Behörde und stellt ihr ggf. eine Anmeldebescheinigung aus - wieder ausgestellt mit ihren persönlichen Daten.
Diese Bescheinigung muss sie dem Bordellbetreiber vorlegen, und ggf. der Polizei, anderen Behörden und auch Kunden.
Damit ist sie aber nur berechtigt, in einer Stadt zu arbeiten. d. h. das Prozedere muss sie wiederholen, wenn sie in einer anderen Stadt arbeiten will.
Wer diese Registrierungsbehörde ist, kann jedes Land selbst entscheiden. Das könnte in dem einen Land die Polizei, in dem anderen das Gewerbeamt oder eine andere Behörde sein.

Dieses Prozedere muss sie zudem regelmäßig wiederholen:
- zum Gesundheitsamt muss sie 1 x jährlich,
- zur Anmeldebehörde: alle 2 Jahre.

18-21-Jährige müssen das Prozedere in noch kürzeren Intervallen wiederholen:
- zum Gesundheitsamt müssen sie 1/2 jährig und
- zur Anmeldebehörde: jedes Jahr.

Wir lassen uns keinen Stempel aufdrücken!

Wir protestieren gegen diese geplante Registrierung, weil sie diskriminierend ist, weil sie einer Gesinnungsprüfung gleich kommt, weil die Daten weitergereicht und gespeichert werden und dies gegen Datenschutz verstößt, weil keine andere Berufsgruppe dermaßen kontrolliert und beschränkt wird, weil wir damit entmündigt und wie Kinder behandelt werden, weil man uns unterstellt, dass wir Opfer sind und keine autonome, selbstbewusste, selbstständige Menschen sind, die über ihr Leben und ihre Arbeit selbst entscheiden wollen und können und weil es diese Regelungen für keine andere Berufsgruppe in Deutschland gibt. Diese Regelung ist menschenverachtend und verstößt gegen das Grundgesetz und viele andere Gesetze.

Wer sich gegen diese Gängelung wehren will, kann dies in einer Unterschriftenaktion tun: mit Vornamen oder Künstlernamen, Angabe einer Stadt und einer Unterschrift.
Unterschriftenliste: download hier

Wer online unterschreiben will, kann dies hier tun: bei HYDRA online

Di. 11. 08. 2015
  BRAVO Amnesty International!
Auf ihrer letzten internationalen Ratstagung in Dublin hat Amnesty International eine wichtige Entscheidung zum Schutz der Menschenrechte von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern getroffen.
Vorausgegangen waren über 2-jährige Untersuchungen und Konsultationen über die Lebens- und Arbeitssituationen von SexarbeiterInnen weltweit. Lobenswerterweise hatten sie sich besonders auf Informationen von SexarbeiterInnen gestützt, waren also in Dialog getreten mit den "Betroffenen", den ExpertInnen.
Dazu gehörten Organisationen von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern, Gruppen von ehemaligen Prostituierten, Organisationen, die sich für die Abschaffung der Prostitution engagieren, verschiedene Menschen, die sich für die Rechte von Frauen und Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgeschlechtlichen und Intersexuellen (LGBTI) einsetzen, Organisationen, die sich gegen den Menschenhandel und solche, die sich für Betroffene von HIV und AIDS einsetzen. Auch haben sie Position von Untersuchungen einbezogen, die unter anderem von UN-Institutionen wie der Weltgesundheitsorganisation WHO, UNAIDS, UN Women und dem UN-Sonderberichterstatter über das Recht auf Gesundheit durchgeführt wurden.

Dabei haben sie festgestellt, dass "Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter überall auf der Welt zu den schutzbedürftigsten Gruppen der Gesellschaft gehören. Sie befinden sich in den meisten Fällen in ständiger Gefahr, Opfer von Diskriminierung, Gewalt und Missbrauch zu werden." "Zu den Menschenrechtsverletzungen, denen Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter ausgesetzt sind, gehören unter anderem körperliche und sexuelle Gewalt, willkürliche Festnahmen und Inhaftierungen, Erpressung und Drangsalierungen, Menschenhandel, erzwungene HIV-Tests und medizinische Eingriffe. Zudem wird ihnen der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen, Wohnungen und anderen Sozialleistungen und zu gesetzlichem Schutz verweigert."

Mit der Resolution empfiehlt die Internationale Ratstagung die Entwicklung einer politischen Position, zu der auch die umfassende Entkriminalisierung aller Aspekte einvernehmlicher sexueller Beziehungen zwischen Erwachsenen gegen Entgelt gehört. Weiter soll die Position Staaten auffordern, Maßnahmen zu treffen, damit Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter umfassend und diskriminierungsfrei vor Ausbeutung, Menschenhandel und Gewalt geschützt sind.
Zur Entkriminalisierung gehören nicht nur Rechte, sondern auch geschützte Arbeitsplätze in den Bordellen, also Rechtssicherheit und klare gesetzliche Rahmenbedingungen.

Damit hat Amnesty International, trotz des heftigen weltweiten Protestes von ProstitutionsgegnerInnen, ihre grundsätzliche Haltung beibehalten: Menschenrechte gehören ALLEN - niemand kann darüber entscheiden -  der Staat und die Gesellschaft haben die Menschenrechte von allen Menschen zu schützen. Das ist keine Frage der Moral., es ging also nicht darum zu entscheiden/oder zu bewerten, ob Sexarbeit - im Auge des Betrachters - also gut oder schlecht ist. Die Entscheidung der SexarbeiterInnen sind zu respektieren.

Damit hat Amnesty International den Grundstein gelegt für seine Arbeit in der Zukunft, wo sie im Einzelnen sich mit den Situationen von SexarbeiterInnen in den jeweiligen Ländern auseinandersetzen werden müssen. Dies, wie auch Aktionen bleiben abzuwarten.
Insbesondere wird spannend werden, wie sie sich in Deutschland in die aktuelle Debatte um das sog. Prostituiertenschutzgesetz einmischen und positionieren werden. Werden sie ein starker Bündnispartner werden und an unserer Seite sich stark machen,
- gegen die geplante diskriminierende Registrierungspflicht von SexarbeiterInnen,
- für eine Aufhebung sämtlicher diskriminierender Gesetze, wie der Sperrbezirksverordnungen, den fragwürdigen Methoden der Finanzämter, etc. und sich einsetzen
- für eine Konzessionierung einer Vielfalt von kleinen und großen bordellartigen Betrieben, mit verschiedenen Segmenten und gegen die diskriminierende Haltung der Bauämter, wo dann endlich nach einer gewissen Rechtssicherheit u. a. über Mindeststandards diskutiert werden kann?

Zur Meldung

 

Fr. 07. 08. 2015
In der Sache "Positionierung von Amnesty International zu Sexarbeit" und
- einerseits dem großen Protest von ProstitutionsgegnerInnen und
- andererseits der - vielleicht wichtigeren - Unterstützung der SexarbeiterInnen und ihrer SympathisantInnen weltweit,
hat sich jetzt die Deutsche AIDS-Hilfe auch öffentlich geäußert und die Haltung von Amnesty International nach Stärkung der Rechte von SexarbeiterInnen unterstützt.

Weiter zur Meldung: http://www.aidshilfe.de/de/aktuelles/meldungen/deutsche-aids-hilfe-stuetzt-kurs-von-amnesty-international-zur-sexarbeit

Auch ich habe den Brief des ICRSE unterstützt und Amnesty International damit aufgefordert, an ihrer bekannten Haltung, der Stärkung von Rechten von Menschen überhaupt, festzuhalten.
 

Do. 06. 08. 2015 - Betrifft: ProstSchG
http://www.bo.de/nachrichten/nachrichten/rechte-statt-pflichten

Cornelia Möhring, Bundestagsabgeordnete der Linken, hat in dieser Kolumne deutlich zum Entwurf der sog. Prostituiertenschutzgesetz Stellung genommen und sich dabei nicht nur auf die Beschneidung von Rechten von SexarbeiterInnen bezogen, sondern verstanden, dass dieses Gesetz die Freiheiten aller Frauen beschneiden wird und insgesamt Einfluss haben wird auf die Liberalität und Toleranz in unserer Gesellschaft.
 

So. 02. 08. 2015
Der Referentenentwurf des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend "Entwurf eines Gesetzes zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes sowie zum Schutz von in der Prostitution tätigen Personen" liegt vor.
Damit liegt das über Monate/Jahre geplante, kontrovers diskutierte, äußerst umstrittenes Gesetzeswerk vor, das vielfältig gegen Recht und Gesetz verstößt - auf Kosten der Rechte von SexarbeiterInnen, BordellbetreiberInnen, der Kunden - und auf Kosten unser aller Freiheiten.
Welch ein Graus!

Download


Fr. 31. 07. 2015
Ist eine Spende nicht eine Spende? Gibt es gute Spenden und schlechte? Gutes Geld und schlechtes Geld? Gilt das nur für Spenden oder auch für Steuerpflichten?

Bei der letzten Sitzung des Runden Tisches "Prostitution Niedersachsen" in Hannover wurden unterschiedliche Einschätzungen dazu abgegeben - bis hin zur Erklärung, dass Spenden von SexarbeiterInnen nicht angenommen würden.
Das hat mich dann doch sehr verwundert, weil gerade der Staat von uns SexarbeiterInnen und BordellbetreiberInnen gern die Steuern nimmt und genau darauf achtet, dass sie auch korrekt gezahlt werden, gern auch mehr als von anderen und gern auch ohne Rechtsgrundlage für manches Verfahren
UND

damit dann die Arbeit von Vereinen, Verwaltung und Politik finanziert.

Download Offener Brief "Spenden & Steuern"

So leichtfüßig steht sie da: eine der Nana-Figuren der großartigen Künstlerin Niki de Saint Phalle - in Hannover.

Do. 30. 07. 2015
Der Tagesspiegel bringt es auf den Punkt.
In dem Artikel von Andrea Dernbach "Die Erfindung der ansteckenden Frau - Das Weib ist gefährlich, und in der Hure findet diese Gefahr ihren stärksten Ausdruck. Anmerkungen zu altem Denken, das auch im neuen Prostituiertenschutzgesetz der Koalition steckt." werden anhand der zu erwartenden Positionierung von Amnesty International zu Sexarbeit, die sich gegen eine Kriminalisierung und für die Rechte von SexarbeiterInnen aussprechen wollen, und dem bereits im Vorfeld tobenden Gegenprotest der ProstitutionsgegnerInnen das alte Spannungsfeld deutlich:

Die Frau: mal Heilige - mal Hure

Auf jeden Fall wird geteilt: in die guten und in die schlechten ............ Frauen. Und besonders etablierte, bekannte, reiche, ausgebildete, mit Ansehen, Macht und Einfluss ausgestattete Frauen tun sich hervor und erklären, wer die "schlechten Frauen" sind, was sie dürfen und nicht dürfen, dass sie Opfer sind und auf keinen Fall selbstbewußt, stark und eigenverantwortlich. Teile und herrsche! - nennt man das üblicherweise. Auf keinen Fall ist die Rede von Frauensolidarität.

zum Artikel

Die, 07. 07. 2015

Sommer - Sonne - Mehr ...

Do. 18. 06. 2015
In der ufaFabrik in Berlin fand heute ein Aktionstag der besonderen Art statt: Kultur und Demenz - passt das zusammen?

Eine enorme Herausforderung: Kultur gehört zu unserem Alltag. Wir erleben und machen Kultur. Kultur treibt uns an, prägt unser Denken. Doch wie ist das bei Menschen mit Demenz, wenn der Tag durcheinander gerät? Können Menschen mit Demenz noch aktiv Kulturangebote mit gestalten? Musik selber machen? Gar auf der Bühne stehen und Theater spielen? Und welche Kulturangebote können noch wahrgenommen werden? Museumsbesuche? Musiknachmittage? Märchenstunden? Tanzen?

Großartiges wurde gezeigt: Menschen mit Demenz standen im Scheinwerferlicht und brillierten mit Tanz, Gesang, Theater und Trommeln.

Eine großartige Arbeit des Theaters der Erfahrungen.

Ein Schiff wird kommen – Theaterreise
Menschen mit Demenz standen zusammen mit Spieler_innen des Theaters der Erfahrungen auf der Bühne. Mal nachdenklich, mal lachend erlebten wir eine Schiffsreise quer durch Erinnerungen, Sehnsucht und Hoffnungen.

Eine andere Welt – Ein Stück über das annehmen und Loslassen.
Die Seniorentheatergruppe OstSchwung aus dem Theater der Erfahrungen hat sich mit der Situation von Angehörigen dementer Menschen auseinandergesetzt. Wie ist das, wenn der Bruder nicht mehr alleine nach Hause findet? Oder wenn die beste Freundin sich nicht mehr an gemeinsam Erlebtes erinnern kann?

Das Gezeigte war berührend, ergreifend, tiefsinnig und auch manches mal lustig. Und wurde zum Abschluss nochmals getoppt:

Trommeln trotz(t) Demenz
Drum Circle aus der Villa Albrecht begeisterte nicht nur durch die Musikalität der TrommlerInnen, deren Virtualität und Rhythmus - trotz Demenz -, sondern holte uns BesucherInnen aus der Schwere, den Sorgen und Gedanken zurück ins turbulente Leben und ließ uns alle mit Freude und Begeisterung mittrommeln und klatschen - gemeinsam in einem Takt!
 

Mo. 27. 04. 2015
Die Fachberatungsstelle Madonna e. V. in Bochum geht einen neuen Weg: in Kooperation mit anderen Beratungsstellen und Gesundheitsämtern und mit Unterstützung des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen wurde die lola-APP entwickelt, mit der man bequem auf dem Handy oder Tablet nicht nur kleine Filme anschauen und Informationen zu Sexarbeit, Gesundheit, Migration, Zwang und Gewalt und Schwangerschaft und Sexualität erhält, sondern bequem auch per maps geführt wird zu den einzelnen Orten - und das in mehreren Sprachen. Bravo - eine gute Unterstützung für die in der Sexarbeit Tätigen.
Könnte diese App nicht auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt werden?

www.lola-nrw.de

Mo. 30. 03. 2015
Angesichts der unsäglichen, diffamierenden, falschen Berichterstattung in den verschiedenen Medien der letzten Monate kann ich nur auf Wilhelm Busch (1832-1908) verweisen:

"Wer der Gerechtigkeit folgen will durch dick und dünn, muss lange Stiefel haben."

Mo. 22.03.2015
Ich lese gern und viel - nach dem Motto: Lesen bildet!
So verweise ich auch gern auf folgendes Buch der amerikanischen (Ex-) Sexarbeiterin hin: „Hure spielen. Die Arbeit der Sexarbeit“ von Melissa Gira Grant. Im Blog der Deutschen AIDS-Hilfe stellte ich das Buch vor:

Es geht um Wertschätzung und Respekt! Die Lektüre ist Demotivation und Ansporn zugleich.

zum Weiterlesen: http://blog.aidshilfe.de/2015/03/19/es-geht-um-wertschaetzung-und-respekt/

So. 08. 03. 2015
Ich nahm teil an der bundesweiten Demonstration zum Internationaler Frauenkampftag in Berlin. Natürlich in einem eigenen Hurenblock! Wir vertraten die Forderungen:
- Prostitution ist Arbeit. Respekt für SexarbeiterInnen.
- Wir sind FeministInnen und treten Seite an Seite mit unseren Schwestern ein für sexuelle Selbstbestimmung und Gleichberechtigung.
Konkret heißt das für die Prostitution:
- weg mit den Sondergesetzen und sonstigen diskriminierenden Gesetzen,
- und gleiche Gesetze in ganz Deutschland,
- keine Registrierung und Zwangsberatungen von SexarbeiterInnen.
Sexarbeit ist ARBEIT!

Foto: Matthias Vernaldi

Weiter zum Thema im Neuen Deutschland: Die feministische Hure - Stephanie Klee setzt sich für die Rechte der Prostituierten ein. Nicht jeder Frauenrechtlerin gefällt dies -.

download: Hier
 

Die., 03. 03. 2015
Der bufas, das Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter e.V. legte ebenfalls eine Stellungnahme zu den Eckpunkten de Bundesregierung vor und lehnte sämtliche Regelungen grundweg ab.

download hier

So., 08. 02. 2015
Einer der besonderen Filme, der auf der Berlinale gezeigt wurde, war Die Menschenliebe im Rahmen der Perspektive Deutsches Kino; ein Dokumentar-/Biographiefilm, der zwei behinderte Männer vorstellte, die um ihre Selbstständigkeit und Eigenständigkeit kämpften und gegen eine Entmündigung und Einschränkungen ihres Umfeldes und einer Gesellschaft, die sie gern zu "ewigen Kindern" abstempelt. Beide sind starke Persönlichkeiten und wollen - besonders auf sexuellem Gebiet - ernst genommen werden - ohne Wenn und Aber....und ohne Heiligenschein. Inklusion halt!
Starke Protagonisten - ein starker Film.
 

Di., 03. 02. 2015
Die Fronten verhärten sich erneut: Die Bundesregierung (CSU/CSU + SPD) legte heute ihr überarbeitetes Eckpunktepapier zur verschärften Regelung der Prostitution vor:
- SexarbeiterInnen müssen sich alle zwei Jahre registrieren (Anmeldepflicht) lassen; die unter 21 Jährigen alle 1/2 Jahr,
- gesundheitliche Beratung soll ebenfalls verpflichtend werden,
- die Anmeldebestätigung und die Bestätigung über die gesundheitliche Beratung sind Bordellbetreibern und Behörden ggf. vorzulegen,
- Einführung einer Kondompflicht,
- Einführung einer Betriebsstättenerlaubnis für Bordelle.
Download hier

Damit folgte die Regierung offensichtlich dem politischen Druck der ProstitutionsgegnerInnen, während Experten und Beratungsstellen, also diejenigen, die direkte Kontakte und Einblicke in die Branche haben, sich gegen alle Reglementierungen und für Rechtssicherheit und eine Stärkung der Position der SexarbeiterInnen aussprachen.
- Stellungnahme des Feministischen Instituts Hamburg,
- Stellungnahme des KOK - Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel
- Offener Brief an die Bundesregierung, u. a. Frau Merkel  vom Deutschen Juristinnenbundes (djb), des Deutschen Frauenrats, der evangelischen Frauenhilfe Westfalen e.V., der Deutschen Aids-Hilfe, der Dortmunder Mitternachtsmission, des Frauentreff Olga und der Diakonie Deutschland.

Sicher: es bleibt abzuwarten, wie die konkrete Umsetzung des Eckpunktepapiers in bestehende oder neue Gesetze erfolgen soll (es ist immer wieder die Rede von einem sog. Prostituiertenschutzgesetz) und wie ggf. Durchführungs-Verordnungen der Länder aussehen werden, aber schon jetzt ist deutlich: es wird den schon bestehenden Flickenteppich an Gesetzen, Verordnungen und örtlichen Besonderheiten vergrößern. Auch vergibt sich die Bundesregierung  erneut eine Chance, endlich die bestehenden Ungleichheiten und Diskriminierungen (z. B. im Steuerrecht) zu beseitigen - ganz zu schweigen von der Unmöglichkeit, die Befolgung der Gesetze zu kontrollieren. Allein die Kondompflicht ist reine Symbolpolitik.

Der Zug geht in die falsche Richtung!
 

Dez. 2104
Ergänzend zur Fachtagung "Trübe Sehnsüchte oder verwirklichte Rechte - Sexualität in Einrichtungen" vom 11. Okt 2013 liegt nun der Reader vor. Er gibt neben den Beiträgen der verschiedenen Referenten auch die Diskussionen mit den TeilnehmerInnen wieder und zieht ein erstes Fazit für die Umsetzung in die Praxis bzw. nennt die relevanten Forderungen.
Er leistet damit auch einen wichtigen Beitrag rund um Sexualassistenz, insbesondere weil er viele Informationen bietet aber auch mit manchem Tabu bricht.

09. 12. 2014, 14.00 Uhr
Nach der erfolgreichen Premiere wurde erneut der Dokumentarfilm ''Die Zeit ist REIF - Für eine selbstbestimmte Sexualität im Alter''  an der Kath. Hochschule für Sozialwesen Berlin vorgestellt und traf auf viel Begeisterung und Applaus. Der Film dreier StudentInnen besticht durch seine Sachlichkeit, Persönlichkeit, ruhigen Einstellungen und dem großen Engagement aller InterviewpartnerInnen. Bravo!
 

So. 07. 12. 2014

Martin Krist (alias Marcel Feige) hat seinen neuen Thriller "Engelsgleich" vorgestellt und mit der Lesung alle begeistert. "In Berlin wird Hauptkommissar Paul Kalkbrenner zu einem Tatort gerufen. Auf einem Fabrikgelände wurde der verstümmelte Leichnam einer jungen Frau entdeckt. Unweit davon befinden sich stinkende Kloakebecken. Fassungslos müssen Kalkbrenner und seine Kollegin Sera Muth zusehen, wie eine Leiche nach der anderen aus den Gruben geholt wird.
Ist unter ihnen auch die verschwundene Merle, die von ihrer Pflegemutter Juliane Kluge verzweifelt gesucht wird?"

Ich kenne den Thriller schon und konnte ihn nicht zur Seite legen, bis ich die letzte Seite gelesen hatte. Spannung von A bis Z. Eine wunderbare Lektüre und für alle Krimifans: ein MUSS.
 

11. Nov. 2014
Die 5. Jahreszeit hat begonnen - klar, sie wird nicht von jedem ernst genommen. Manche bestreiten sogar dessen Existenz.
Aber einen echter Jecken schreckt das nicht ab: Karneval ist ein MUSS. So halte ich das auch.
Und wo kann man besser Karneval feiern als in Köln?

Ich grüße vom "Karneval om Rhing".

Okt. 2014
Der folgende Artikel „Sexarbeit ist Arbeit“ in der letzten RosaLux-Zeitschrift zeigt einen sachlicheren Umgang mit Prostitution auf – wie auch der Endbericht des Runden Tisches Prostitution NRW – im Gegensatz zu den aktuellen Diskussionen um neue gesetzliche Regelungen der Prostitutionsbranche, angefangen von der Registrierungspflicht für SexarbeiterInnen bis zur neuesten Medienente über eine angebliche Einigung der Koalitionspartner für die Bestrafung von Freiern von Zwangsprostituierten.

Da stehen sich zwei völlig verschiedene Welten gegenüber.

sexarbeit ist arbeit.pdf
Download

http://www.mgepa.nrw.de/mediapool/pdf/emanzipation/frauen/RTP_Abschlussbericht.pdf
 

24. - 26. 09. 2014/Berlin
Sexarbeits-Kongress "Sexarbeit in Zeiten der Bewegung"
www.sexarbeits-kongress.de


23. 09. 2014, 19.00 Uhr
Podiumsdiskussion "Das geht uns alle an: Prostitution in Deutschland" des ZONTA Club F/M

Sa. 30. 08. 2014
Die TeilnehmerInnen der Demo in Berlin: Freiheit statt Angst setzten ein Zeichen für Grundrechte und sprachen sich gegen
- eine Massenüberwachung aus und zwar nicht nur im Internet,
- sondern  z. B. durch eine elektronische Gesundheitskarte, die auch der Kontrolle der Bürger diene,
- und sie sprachen sich gegen das Ansinnen der Bundesregierung nach Etaterhöhungen für den BND aus, die einhergeht mit einem Verlust des Schutzes der Privatsphäre.

In diesem Kontext demonstrierten wir SexarbeiterInnen und SypatisanthInnen gegen ihre von der Regierung geplante Zwangsregistrierung. Emily Fem machte deutlich: "SexarbeiterInnen werden entmündigt. Die Große Koalition geht davon aus, dass SexarbeiterInnen nicht eigenverantwortlich handeln können, und zwar weil sie SexarbeiterInnen sind."

Foto: W. Schenk
 

Sa. 12. 07. 2014
Mit großem Erfolg fand wieder die pride parade in Berlin statt. Das war Lebensfreude pur und tat rundum gut.


Mi. 25. 06. 2014
Offener Brief: "Distanzierung zu Dona Carmen

Eure letzten Verlautbarungen: „Anti-Menschenhandels-Szene immer dubioser – Kritische Anmerkungen -“ und „Offener Brief an Margarete von Galen“ veranlassen mich, mich nach vielen ähnlichen Erfahrungen in den letzten Jahren öffentlich von Euch zu distanzieren.

 

Eure Arbeit und Methoden sind beleidigend, diskreditierend, polemisch und nicht sachgebunden und zielführend."

 

download: hier
 


12. - 15. Juni 2014

Auf Gut Frohberg bei Meißen fand die 5. Frauensommerakademie statt. Das Motto war: "Let`s talk about sex" und Prostitution gehörte dazu!

Do. 12.06.2014
Das Bundesfamilienministerium führt eine Anhörung "Regulierung des Prostitutionsgewerbes" durch und hat breit eingeladen. Die Fachberatungsstellen Prostitution, die DAH, Gesundheitsämter, der KOK, aber auch Vertretungen der BordellbetreiberInnen und SexarbeiterInnen werden vertreten sein - neben VertreterInnen der Länder, der kommunalen Spitzenverbände, etc. Für den BSD e. V. werde ich unsere Positionen vortragen und auch unseren Gesetzesvorschlag vorstellen.

Gesetzesvorschlag BSD: download

Fragenkatalog für Anhörung: download

weitere Infos beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Fr. 11. 04. 2014
Der Bundesrat hat sich in seiner gestrigen Sitzung ausführlich mit den verschiedenen Forderungen der gesetzlichen Änderungen im Bereich Prostitution befasst und insgesamt einen differenzierten und z. T. ausgewogenen Beschluss gefasst, mit dem sich jetzt die Bundesregierung und die Bundestagsabgeordneten auseinandersetzen müssen. So ist z. B. eine "Freierbestrafung" und eine "Pflichtuntersuchung" von SexarbeiterInnen nach dem Infektionsschutzgesetz abgelehnt worden.
Allerdings soll u. a. eine Registrierung von SexarbeiterInnen und eine Definition der unterschiedlichen Bordellarten und der dortigen Arbeitsbedingungen und sogar Überprüfung der einzelnen Geschäftskonzepte vorgenommen werden. Es ist klar: es kommt viel Arbeit auf die Politik zu und noch mehr auf die Prostitutionsbranche.

http://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2014/0001-0100/71-14(B).pdf?__blob=publicationFile&v=1

Do. 10. 04. 2014
Heute fand vielleicht die letzte Sitzung des "Rundes Tisches Prostitution NRW" statt. Wie immer waren Referenten und Sachverständige geladen - dieses Mal zum Thema "Sexualbegleitung/Sexualassistenz" -. Es wurden sowohl wissenschaftliche Ergebnisse, aber mehr noch von praktischen Erfahrungen von Menschen in Senioren-, Pflege- und Behinderteneinrichtungen berichtet, wie diese ihr Recht auf eine erfüllte und selbstbestimmte Sexualität durchsetzen können und mit welchen Hürden sie es zu tun haben.

Sa. 08. 03. 2014
INTERNATIONALER FRAUENTAG und endlich wieder eine große Demo - auch Huren gingen auf die Straße und zeigten ihr Gesicht für ihre Rechte

"Der Internationale Frauen*kampftag steht für das Ringen um rechtliche, politische und wirtschaftliche Gleichstellung, selbstbestimmtes Leben, für das Recht auf körperliche Unversehrtheit sowie sexuelle Selbstbestimmung." So war es nur folgerichtig, auch für unser Recht auf unseren Beruf als Sexarbeiterin auf die Straße zu gehen - im Schulterschluss mit unseren feministischen Schwestern - für unser aller Rechte. (Na ja, nicht alle haben sich uns gegenüber schwesterlich verhalten, wenn man bedenkt, dass sie für ein Verbot der Prostitution eintraten.)
  Fotos: Matthias Vernaldi

zum Weiterlesen:
Artikel in der taz am 09. 03. 2014
http://www.taz.de/Demo-zum-Frauenkampftag/!134484/

Artikel im Neuen Deutschland zur Demo am 8. März:

http://www.neues-deutschland.de/artikel/926394.mit-putzlappen-fuer-mehr-rechte.html

Die, 11. 02. 2014
Diskussionsveranstaltung der Linken in Bremen "Sexarbeit – zwischen Selbstbestimmung und Ausbeutung"
mit :
Claudia Bernhard (DIE LINKE)
Dr. Ulrike Lembke (Rechtswissenschaftlerin)
Stephanie Klee (Sexarbeiterin)
Manon Süsens (Nitribitt e.V.)
Klaus Fricke (Haus9)

Alle PodiumsteilnehmerInnen haben sich wacker geschlagen, doch am meisten beeindruckten die zahlreich erschienen rumänischen Kolleginnen, die sich in die Diskussion immer wieder einmischten, aber leider nicht ernst genommen wurden. Hier kamen zu viele Klischees zusammen: Jungen Frauen, MigrantInnen, SexarbeiterInnen - das können angeblich nur OPFER sein!!!
Und so wurde Ihnen auch abgesprochen, dass sie selbstständig und selbstbewusst und eigenständig in Bremen der Prostitution nachgehen.
Respekt und ein Dialog auf AUGENHÖHE sehen anders aus!

 

 

 

 

 

 

 

 

Artikel in der taz

So. 02. 02. 2014
Besser scheitern
"Wieder versuchen. Wieder scheitern. Bessern scheitern."
so formulierte es der bekannte irische Schriftsteller Samuel Beckett, der sich bei seiner Deutschlandreise vor rund 75 Jahren besonders gern und ausgiebig in der Hamburger Kunsthalle aufhielt. Gemäß des Beckettschen Credos präsentierte die Hamburger Kunsthalle Video- und Filmarbeiten von den 1960er Jahren bis heute. International bekannte Künstlerinnen und Künstler gehen hier dem komplexen Phänomen des Scheiterns nach: Spielerisch, lustvoll, tragisch, komisch, trauernd, überraschend.

Für Versagen, Fehlschläge und Niederlagen bleibt in unserer heutigen Erfolgsgesellschaft, im Zeitalter der Machbarkeit und Fortschrittsgläubigkeit, wenig Raum. Leistung, Effizienz und Erfolg sind gefragt. kein Wunder, dass der amerikanische Soziologe Richard Sennett das Scheitern einmal als das große Tabu der Moderne bezeichnet. Über das Scheitern, insbesondere das persönliche Scheitern, wird ungern gesprochen, impliziert es doch das Eingeständnis einer Grenzerfahrung, bei der nichts mehr so ist, wie es vorher war. Doch bedeutet Scheitern zwangsläufig Misslingen? Es liegt gerade in der Paradoxie des Scheiterns, dass Zusammenbruch und Neubeginn, Resignation und Hoffnung zusammenfallen: So kann sich aus der scheinbaren Niederlage auch etwas ungeahnt Neues, Anderes entwickeln.

In der Kunst ist das Scheitern als nötiges Wagnis, als Form des Experiments, schon immer eng mit dem künstlerischen Schaffensprozess verbunden gewesen. Das Scheitern in der Kunst impliziert, dass das gescheiterte und vertraute Terrain verlassen und Außergewöhnliches gewagt wurde. Der Schriftsteller Wilhelm Genazino hat einmal zu Recht Künstlerinnen und  Künstler als "Vorturner des Scheiterns" bezeichnet . Kunst wird damit verstanden als ein offener, suchender Prozess, jenseits eines notwendig abgeschlossenen Produkts oder der Schaffung eines Meisterwerkes. Die Beschäftigung mit dem Unvermögen und das sich in der permanenten Widerholung artikulierende, sisyphosartige Abarbeiten an den Absurditäten des Lebens hat für Künstlerinnen und Künstler bis heute nicht an Attraktivität verloren - im Gegenteil: Die Erfahrung des Scheiterns erweist sich als eine grundsätzliche Fragestellung der Kunstpraxis heute."
Kuratorin: Dr. Brigitte Kölle, 1983

" Ever tried. Ever failed. No matter.
Try again. Full again. Fail better"

"Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei.
Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern."
Samuel Beckett, Worstward Ho

Wie wahr - wie wahr - und nicht nur in der Kunst!

I M P R E S S I O N E N
            

Di. 17. 12. 2013

Eine tolle Kampagne, initiativ und kreativ. Und: wahr!
Dem kann nichts hinzugefügt werden.

 

Die INDOORS Kampagne 2013

 
Verschiedene Berufe.

Gleiche Rechte.

SEXARBEIT IST ARBEIT.

Hamburg, Dezember 2013

Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Kolleg_innen,

das europäische Projekt INDOORS, eine Partnerschaft von neun europäischen Organisationen, freut sich, den Start der Kampagne Verschiedene Berufe. Gleiche Rechte.  am 17. Dezember 2013, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Sexarbeiter_innen, bekannt zu geben.

Im Einklang mit dem Ziel, Sexarbeiter_innen zu unterstützen und zu stärken, will das Projekt INDOORS die Gesellschaft auf die Notwendigkeit der Anerkennung der Arbeitsrechte von Sexarbeiter_innen als ein Mittel, Stigmatisierung und Gewalt gegen Sexarbeiter_innen zu bekämpfen, aufmerksam machen.

Die Kampagne, die die Partnerorganisationen gemeinsam entwickelt haben, will die Forderungen von Sexarbeiter_innen durch die Verbreitung von Postkarten und Banners,  die die Situation von Sexarbeiterinnen in neun europäischen Ländern wiederspiegeln, sichtbar machen. Die Produkte wurden von Brigitte Reinhardt in Hamburg entworfen und von der Europäischen Union, im Rahmen des Programms Daphne / Kommission für Justiz, finanziert.

Die Materialien der Kampagne haben einen gemeinsamen Slogan - Verschiedene Jobs. Gleiche Rechte. - und verschiedene Forderungen, angepasst an die unterschiedlichen nationalen Realitäten. Die Kampagne versucht Sexarbeiter_innen zu stärken, um nachteiligen aktuellen politischen Kontexten entgegenwirken zu können.

Wir laden Sie ein, unsere europäische Kampagne auf der Website www.indoors-project.eu  und auf Facebook, unter https://www.facebook.com/Indoorslllcampaign zu besuchen.

Anbei als PDF Dateien die drei Postkarten die für Deutschland entwickelt wurden und die entsprechenden Banners.

Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.


Mit freundlichen Grüßen,

Veronica Munk, Regina Wenzel, Gudrun Greb

So. 24. 11. 2013
„Ein einzelner hilft nicht, sondern wer sich mit Vielen zur rechten Stunde vereinigt.“
                                                                                                                           Goethe

Fr. 20. 09. 2013
Das schon bei der Anhörung im Bundestag breit kritisierte CDU/CSU + FDP- "Gesetz zur Bekämpfung des Menschenhandels und Überwachung von Prostitutionsstätten" ist heute in der letzten Sitzung des Bundesrates vor den Bundestagswahlen an den Vermittlungsausschuss verwiesen worden. Damit ist es vom Tisch.
Auch im Bundesrat ist es auf vielfältige Kritik gestoßen. Aus der Presseerklärung: u. a. "beinhalte es lediglich eine Minimallösung und lasse die Gelegenheit ungenutzt, umfassende Maßnahmen zu ergreifen."

Unsere Kritik war umfassender, aber wir können richtig stolz darauf sein, dass wir mit vereinten Kräften dieses Drama verhindern konnten.

Doch das bedeutet auch:

NACH DEM GESETZ IST VOR DEM GESETZ !

Do. 12. 09. 2013
Mehrere Bundesrats-Ausschüsse haben vorgeschlagen, den umstrittenen CDU/CSU + FDP-Gesetzesvorschlag, der u. a. Prostitutionsstätten gewerberechtlich einbilden wollte, in der Sitzung am 20. 09. an den Vermittlungsausschuss zu verweisen. Aus juristischer und praktischer Sicht wurde der Vorschlag vielfältig kritisiert. Eine umfassende und weitergehende Arbeit - nach der Bundestagswahl - sei erforderlich.!!!

Jippy - damit haben wir einen enormen Etappensieg erzielt:
- nach breiter Ansprache der Bundestagsabgeordneten,
- nach Demos,
- nach Beteiligung an der öffentlichen Anhörung im Rechtsausschuss des Bundestages,
- nach weiteren Briefen und Forderungen an die Ausschussmitglieder des Bundesrates,
- etc.

Ausschussprotokoll: hier

Der Gesetzesvorschlag war aber auch einfach zu schlecht ...... geschieht ihm recht!

Sa. 03. 08. 2013
Ein toller Filmbeitrag zum Thema "Sexualität und Behinderung". Ein dickes Dankeschön an das Filmteam und den mdr!

No more Tabus - Sex und Behinderung

 

Können Menschen mit Behinderung Lust empfinden? Haben sie ein Sexualleben? Und wie ist das für den Partner? Zwei Menschen, die selbst an Muskelschwund erkrankt sind, wollen das Thema aus der Tabuzone holen: Anastasia Umrik porträtiert mit ihrem Fotoprojekt 'AnderStark' Frauen mit Muskelschwund und zeigt bewusst auch ihre erotische und provokante Seite. Matthias Vernaldi lebte in 'den wilden Siebzigern' in einer thüringischen Kommune mit behinderten und nichtbehinderten Aussteigern zusammen. Dort machte er zahlreiche sexuelle Erfahrungen. In Berlin gründet er Mitte der Neunziger den Verein 'Sexybilities' und trägt dazu bei, dass barrierefreie Bordelle entstehen. Ob in Form von Prostitution, Sexualassistenz oder in einer erfüllten Partnerschaft - die Reportage zeigt, dass die Facetten des Liebeslebens auch bei Menschen mit Behinderung breit gefächert sind. (Senderinfo)
 

D 2013; R: Andrea Gentsch

http://www.mdr.de/selbstbestimmt/video139858.html

Fr. 27. 07. 2013
Für meine Lieben:        Vergangenheit ist Geschichte,
                                    Zukunft ist Geheimnis,
                                    aber jeder Augenblick ist ein Geschenk.

Sa. 13. 07. 2013
Lernen von den Freaks und Krüppel, Verrückten und Lahmen, Eigensinnigen und Blinden, Kranken und Normalgestörten ...........
sie machten uns auf der Pride Parade vor, was es heißt für seine Rechte auf die Straße zu gehen, sichtbar zu sein und sich selbst zu feiern. Und sie haben in den letzten 20/30 Jahren viel erreicht und können mit recht stolz auf sich sein.
Meine Hochachtung!

Sexarbeiterinnen waren dabei!

Sa. 06.07. 2013
Der Bundestag ist doch immer eine Besichtigung wert - insbesondere in lauterer Runde und mit sachkundiger Führung.

   

Do. 27. 06. 2013
Liebe Freunde,
Ihr könnt uns unterstützen. Bitte unterschreibt diese Petition - im Internet ist es auch möglich, "anonym" zu unterschreiben. Es geht um den Erhalt von Prostitution und dessen Behandlung als legalen Wirtschaftszweig.

https://www.openpetition.de/petition/online/frankfurter-erklaerung-rechte-und-respekt-fuer-sexarbeiter-innen

 

Do. 27. 06. 2013

Politisch eine Farce,

menschlich eine Tragödie
 

In seiner letzten Sitzung dieser Legislaturperiode hat der Bundestag eine Gesetzesnovelle zur Regulierung der Prostitutionsstätten und Eindämmung des Menschenhandels verabschiedet – und damit viel Kritik geerntet, vor allem auch von Prostituierten, aber auch von allen anderen im Rechtsausschuss angehörten Sachverständigen.

In der Nacht zum Freitag, den 28. 06. 13,  ging in genau 3 Minuten ein Schauspiel auf höchster politischer Ebene zu Ende. Begonnen hatte es am 03. 06. 2013. Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP hatte es in diesen 25 Tagen geschafft, ein Gesetz einzubringen, zu diskutieren, zu beraten, eine Anhörung mit Sachverständigen durchzuführen und schließlich zu verabschieden. Eine rasche Arbeit! Doch warum diese Eile?

Zunächst geht es bei dem Gesetz zur Bekämpfung des Menschenhandels und Überwachung von Prostitutionsstätten (Drucksache 17/13706) um die Umsetzung einer EU-Richtlinie zur Bekämpfung des Menschenhandels. Während die EU von Deutschland jedoch ausdrücklich und unter Androhung eines Strafgeldes von Deutschland den Schutz der Opfer angemahnt hatte (also z. B. Videobefragungen statt von direkte Zeugenaussagen vor Gericht, bessere Absicherung wie Aufenthalts- und Bleiberecht), entschied sich die Regierung nur für eine Ausweitung der Strafvorschriften.

-          Gleichzeitig fügte sie im Gewerberecht Regelungen für „Prostitutionsstätten“ ein. Diese fallen nun nach § 38 GewO unter die überwachungspflichtigen Gewerbe. Die Regelungen sind geprägt von vagen Formulierungen und unbestimmten Rechtsbegriffen. So sind beispielsweise die verschiedenen Prostitutionsstätten nicht definiert oder Begriffe wie „Gefahren“, „erheblichen Nachteile“ oder „Belästigungen“ unklar. Und was genau ist unter „Bewohnern der Nachbargrundstücke“ zu verstehen?

Im dramaturgischen Sinne muss man von einer Tragödie sprechen, und zwar in mehrfacher Hinsicht:

-          - Der fehlende Opferschutz  wird von allen Seiten kritisiert. Dies wird den Opfern nicht gerecht und ist zudem unwürdig für Deutschland, das für die Strafverfolgung auf die Opfer angewiesen ist. Das geht nicht zum Nulltarif.

-          - Die Vermischung von Straf- und Gewerberecht negiert zum wiederholten Mal eine freiwillige Prostitution, die wie jedes andere Gewerbe geregelt, aber auch rechtlich abgesichert gehört.

-         -  Und die juristisch unklaren Formulierungen öffnen bei unserem föderalen System den Ländern und Kommunen Tür und Tor für die praktische Ausgestaltung und Anwendung. Es ist zu befürchten, dass es bundesweit zu unterschiedlichsten Regelungen für die vielen unterschiedlichen Prostitutionsstätten kommen wird.

Damit sind wir weit entfernt von der so dringend erforderlichen Rechtssicherheit, ohne die die Prostitutionsbranche sich nicht in das allgemeine Wirtschaftsgefüge einbinden und entwickeln kann. Nach der Verabschiedung des Prostitutionsgesetzes (ProstG) im Jahre 2011 hat der Gesetzgeber elfeinhalb Jahre ohne großes Engagement verstreichen lassen. Und dann dieser Schnellschuss.

Das Gesetz ist ein Schlag ins Gesicht aller an der Prostitution Beteiligten: nach wie vor nutzen die Kunden unsere Dienste, der Staat nimmt gern unsere Steuern, aber verdrängt uns aus den geschützten Innenstädten an den Rand und ins Abseits – und verwehrt uns unsere Rechte. Auch SexarbeiterInnen haben ein Recht auf Selbstbestimmung, Würde, staatlichen Rechtsschutz und vor allem auf das grundgesetzlich garantierte Recht auf Arbeit (Art. 12 GG).  Ganz zu schweigen von Arbeitsschutzrechten.

Erneute Enttäuschung über die Haltung des Staates macht sich breit. Mit der Verabschiedung des ProstG hatte er einen ersten Schritt unternommen, um die an der Branche Beteiligten ins Sozial- und Wirtschaftsgefüge zu integrieren und bisher verwehrte Rechte zu garantieren (z. B. das Recht auf den Lohn). Dann aber wurde es versäumt, das ProstG auf die anderen Gesetze zu übertragen (z. B. das Ordnungswidrigkeitengesetz). Dadurch entstand enorme Rechtsunsicherheit, sodass zum Beispiel moralisch motivierte Behörden über das Baurecht gute, geschützte Arbeitsplätze in Wohnungsbordellen vernichtet haben.

Gleichzeitig ist ein Klima entstanden, das von vollständiger Ablehnung und sogar Verteufelung der Prostitution geprägt ist:

-         -  SexarbeiterInnen werden ständig mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie keine seriöse Dienstleistung anbieten.

-          - Trotzdem verlangt man von ihnen die Erfüllung gesellschaftlichen Pflichten, wie etwa Steuern zu zahlen.

-         -  Immer wieder werden sie in einen Topf geworfen mit Kriminellen, Straftätern und sonstigen Übeltätern.

-          - Der ständigen Stigmatisierung als Opfer kann sich kaum eine SexarbeiterIn verwehren; ihr wird jede persönliche Entscheidungsfreiheit abgesprochen.

-         -  Und nach wie vor weigern sich Staat und Gesellschaft, Prostitution als Arbeit zu verstehen, für die man Arbeitsplätze, Arbeitsrechte, Arbeitsschutz, Aus- und Fortbildung und zumindest Empowerment braucht.

Rechtssicherheit und Respekt sehen anders aus! Warum sollen SexarbeiterInnen noch mit dem Staat und seinen Behörden wie Polizei, Beratungsstellen und Gesundheitsämtern kooperieren? Es ist doch nur verständlich, wenn sie sich in ihrer Arbeitswelt wieder verschließen, eigene Regeln aufstellen und unter sich bleiben. Warum sollten sie sich für Informationen von außen interessieren? Die Erfahrung hat doch gezeigt, dass alles von außen mit Reglementierung und Repressalien verbunden ist, die letztendlich gegen sie und auf die Abschaffung der Prostitution zielen.

Diese Situation ist katastrophal – und leider lang geübte Tradition. Wenn SexarbeiterInnen und BordellbetreiberInnen nicht informiert sind, ihre Rechte und Möglichkeiten nicht kennen und keine Perspektiven sehen, konzentrieren sie sich ausschließlich auf das Geldverdienen und scheren sich nicht um Gesetze und Arbeitsschutz.

So schadet das Gesetz mehr als es nutzt.

Noch ist das Gesetz nicht durch den Bundesrat und dann kommt die Bundestagswahl. Aber es wird eine Fortsetzung geben.

Mi, 26. 06. 2013
Hier die Stellungnahmen der Sachverständigen, die im Rechtsausschuss am Montag berichteten. Möge sich jede/r sein eigenes Bild machen:

http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a06/anhoerungen/archiv/55_Bek__mpfung_Menschenhandel/04_Stellungnahmen/index.html

 

(Fotografin: Freddy Strack)

 

weitere Fotos: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.638895356123082.1073741828.261987890480499&type=1

Mo, 24. 06. 2013
hib - heute im bundestag Nr. 354

Neues aus Ausschüssen und aktuelle parlamentarische Initiativen

 

Di, 25. Juni 2013 Redaktionsschluss: 15:25 Uhr

1.       Sachverständige lehnen Gesetzentwurf der Regierung zur Kontrolle der Prostitution ab

 

1.   Sachverständige lehnen Gesetzentwurf der Regierung zur Kontrolle der Prostitution ab

Rechtsausschuss (öffentliche Anhörung)

Berlin: (hib/JBB) Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Bekämpfung des Menschenhandels und Überwachung von Prostitutionsstätten (17/13706) wurde von Sachverständigen am Montag einhellig abgelehnt. Die eingeladenen Experten sprachen sich in der öffentlichen Anhörung des Rechtsausschusses gegen den Entwurf aus. Der Entwurf wurde zwar mehrheitlich als erster richtiger Schritt in die richtige Richtung bewertet, er benötige aber viele Nachbesserungen und sei inhaltlich oftmals ungenau. Die Koalitionsfraktionen beabsichtigen mit dem Gesetzesentwurf einerseits, den Menschenhandel mit neuen Strafbestimmungen stärker zu bekämpfen und andererseits Prostitutionsstätten einer gewerberechtlichen Überwachung zu unterwerfen. Die Vorlage sieht beim Thema Menschenhandel eine Reihe von Neuerungen im Strafgesetzbuch vor. So soll etwa Menschenhandel mit dem Ziel des Organhandels, der momentan lediglich als Beihilfe zu Straftaten nach dem Transplantationsgesetz strafbar ist, ausdrücklich unter Strafe gestellt werden. In die Neuregelungen einbezogen sind unter anderem auch Fälle von Menschenhandel zum Zweck der Bettelei und der Ausnutzung strafbarer Handlungen. Mit der Verschärfung dieser und anderer Strafvorschriften will man EU-Vorgaben zur Verhütung und Bekämpfung von Menschenhandel umsetzen.

Dr. Lea Ackermann, Vorsitzende der Hilfsorganisation Solwodi, kritisierte den Gesetzesentwurf als unzureichend, er müsse dringend erweitert werden. So forderte sie ein „bedingungsloses Aufenthaltsrecht“ für Zwangsprostituierte aus Drittstaaten, das nicht an die Aussagebereitschaft der Frauen gekoppelt ist. „Das ist das Mindeste, was wir den Frauen anbieten können“, sagte Ackermann. Gerade bei Menschenhandel und Zwangsprostitution sei eine Strafverfolgung meist nur per Aussage des Opfers möglich.

Sabine Constabel von Gesundheitsamt Stuttgart sagte, der Entwurf könne das Elend in der Prostitution nicht mindern. Man müsse die Freier stärker in die Verantwortung bringen und dazu einen Blick nach Schweden werfen. Ebenso müsse man den Straftatbestand der Ausbeutung von Prostituierten ändern, das Mindestalter auf 21 Jahre anheben, mehr Sozialarbeiterinnen einstellen und Mietobergrenzen für Bordelle beziehungsweise Räumen in Bordellen einführen.

Die Rechtsanwältin Margarete von Galen sagte, der Gesetzesentwurf erfasse nicht die schlimmsten Missstände, sondern werde nur zu einem „Arbeitsbeschaffungsprogramm für Rechtsstätten“ führen. Sie kritisierte, dass in dem Gesetzesentwurf von Prostitutionsstätten gesprochen werde, diese jedoch nicht weiter definiert würden. Ein Kritikpunkt, der von allen Sachverständigen angekreidet wurde.

Michale Heide von Karo e.V. sagte, die einzige Verbesserung des Entwurfs sei die Veränderung der Altersgrenze für Prostituierte in Paragraf 232. Wichtig sei die Änderung des Straftatbestandes in einen Verbrechenstatbestand, das erhöhe auch die Ermittlungschancen der Polizei. Allgemein forderte er eine bessere Anwendung der Gesetze vor Ort, abstrakte Gesetze könnten nicht so viel ändern.

Stephanie Klee von der Agentur highLights lehnte den Entwurf komplett ab und nannte ihn einen „juristisch nicht durchdachten Schnellschuss“. Sie forderte stattdessen ein Gesamtkonzept, das der Branche völlige Gleichstellung mit anderen Erwerbsbranchen eröffne und Rechtssicherheit biete. Das Grundgesetz garantiere die freie Wahl der Berufsausübung.

Carsten Moritz vom Bundeskriminalamt kritisierte den Entwurf ebenfalls. Es sei gut, dass die EU-Richtlinie nun umgesetzt werde, das Hauptproblem aber bleibe: Der Straftatbestand des Menschenhandels bleibe stark von der Opferaussage abhängig und diese sei schwierig zu erhalten. In diesem Sinne entspreche der Entwurf nicht dem Sinne der EU-Vorgabe.

Irmingard Schewe-Gerigk von Terre des Femmes stimmte den Forderungen von Frau Ackermann nach einem unbeschränkten Aufenthaltsrecht unabhängig von der Aussage der Prostituierten vor Gericht gegen ihre Zuhälter zu und forderte ebenfalls ein komplett neues Gesetzpaket. Vor diesem Hintergrund unterstützte sie einen Änderungsantrag der Grünen zu dem Gesetz.

Marc Schulte vom Bezirksamt Charlottenburg machte sich für die Einführung von rechtlichen und baulichen Mindeststandards von Bordellen stark. Dadurch könnten auch „bisher geschlossene Türen geöffnet“ werden und die Kontrolle durch das Gewerberecht erleichtert werden. Insgesamt sei der Gesetzesentwurf nur Stückwerk, in dem der „Bewusstseinswandel des Prostitutionsgesetzes von 2002 noch nicht angekommen ist“.

Helmut Sporer von der Kriminalpolizei Augsburg sagte, das Prostitutionsgesetz von 2002 habe die Prostituierten in „eine Art staatliche Sklaverei gebracht“. Vorher wäre der Wille der Frau maßgeblich gewesen, nun habe der Bordellbetreiber dank des eingeschränkten Weisungsrechtes des Arbeitgebers „einen Freibrief“ über sie. Die Abschaffung des Weisungsrechtes wäre daher das Beste, sagte Sporer. Der Entwurf nur ein erster symbolischer Schritt, in der Ausarbeitung sei er voller Schwachstellen. So sei Prostitution kein Gewerbe in eigentlichen Sinne sondern eine höchstpersönliche Dienstleistung. Deshalb sei die Gewerbeordnung der falsche Regelungsweg.

Deutscher Bundestag
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Redaktionsmitglieder: Jörg Biallas (verantwortlich)
Dr. Bernard Bode,  Alexander Heinrich, Claudia Heine,
Michael Klein, Hans Krump, Hans-Jürgen Leersch,
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Fr. 21. 06. 2013
Nach den unsäglichen, einseitigen, Prostitution in Gänze diskriminierenden und diskreditierenden Berichterstattungen in fast allen Medien stürzt sich jetzt die Politik auf uns. Dabei hatte sich keine der Bundestagsfraktionen und  keine der verantwortlichen Ministerien seit dem Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes vor 11 Jahren bemüht, den damit begonnenen Weg der Entkriminalisierung von Prostitution und dem Schaffen von fundierten Rechten für Sexarbeiterinnen fortzusetzen. Alle Runde Tische und Workshops scheiterten an dem Veto der einzelnen Verwaltungen. SexarbeiterInnen und BordellbetreiberInnen wurden nicht an den Diskussionen beteiligt.
So steht der Paradigmenwechsel im Raum. Mal wird der Wandel der sozialethischen Behandlung von Prostitution ernst genommen und mal nicht. In der Regel besteht Unklarheit auf allen Ebenen: sowohl die einzelnen Behörden als auch die vielen unterschiedlichen SexarbeiterInnen und BordellbetreiberInnen fühlen sich rechtsunsicher. Hinzu kommt eine unterschiedliche Bewertung von Bundesland zu Bundesland oder sogar von Kommune zu Kommune hinzu - aufgrund unseres föderalen Systems. Leider macht sich die Branche auch nicht immer die Mühe, vor Gericht Recht zu bekommen - obwohl dieser Weg fast immer mit Erfolg gekrönt war, wie die vielen Gerichtsurteile zeigen.

Nun hat CDU/CSU und FDP im Hauruckverfahren ein dubioses Gesetzeswerk vorgelegt, dass sie auch offensichtlich schnell und zwar vor der Sommerpause verabschieden wollen.

Gesetz:              Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung des Menschenhandels und Überwachung von Prostitutionsstätten  
                                                http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/137/1713706.pdf

                         Schreiben der Sexworker Organisation an die Bundestagsabgeordneten:      
                         http://www.sexwork-deutschland.de/Prostituierten-Vereinigung/Aktuelles/Eintrage/2013/6/10_Anschreiben_an_die_zustandigen_Bundestagsausschusse.html

Aktion:                   24. 06. 2013, 12.00 Uhr vor dem Bundestag
                          Huren gegen Menschenhandel
                    
   http://sexwork-deutschland.de/aktion/

Termine:                                24. 06. 2013, 17.00 Uhr
                         Öffentliche Anhörung von Sachverständigen im Rechtsausschuss
                         Tagesordnung:
http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a06/tagesordnungen/a06_141to_Int.pdf

                         26. 06. 2013: Beratung im Ausschuss
                         27. 06. 2013: eventuell 2./3. Lesung im Bundestag
                       
 20. 09. 2013: eventuell Verhandlung im Bundesrat?

Unsere Forderungen:  

Trennung der beiden Rechtsgebiete und gründliche, besonnene Nacharbeit:

-          Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung bzw. zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft ist ein Straftatbestand, der nicht hingenommen werden darf. Er gehört verurteilt, und dafür reichen die bestehenden Gesetze.

-          Nicht ausreichend sind allerdings die Opferschutzregelungen und für deren Ausweitung (wie z. B. in europäischen Nachbarländern bereits gegeben) setzen wir uns ein.

-          Sexarbeit ist Arbeit. Sexarbeiter_innen genießen immer noch nicht die gleichen Rechte wie andere Berufstätige. Das im Jahre 2002 in Kraft getretene Prostitutionsgesetz muss endlich erweitert werden, wozu auch klare und einheitliche Regelungen für die unterschiedlichen Prostitutionsstätten in ganz Deutschland gehören.

Wir sprechen uns gegen Sondergesetze aus und fordern endlich eine Gleichstellung der Sexarbeit mit anderen Erwerbstätigkeiten und die Entkriminalisierung unserer Branche.

Di. 28. 05. 2013
Spiegel will jetzt auch retten
Der Spiegel - er hat es mal wieder getan: im Bausch und Bogen hat er Prostitution verteufelt und zudem - fälschlicherweise - in einen Topf geschmissen mit Menschenhandel. Der selbstständig denkende Leser/Leserin fragt sich da schon: in wessen Auftrag ist er unterwegs? Warum folgt er den bekanntlich falschen, die Realitäten negierenden, dogmatischen und diskriminierenden Tiraden von EMMA und Co? Welche politische Strategie steckt dahinter?
Außer den marktwirtschaftlichen. Denn noch immer gilt: Sex sell`s. Sicher braucht der Spiegel auch höhere Auflagen und muss schon dem kommenden Sommerloch vorarbeiten.

Aber es ist ein altbekanntes Problem: kaum jemandem gelingt es, Prostitution losgelöst von Gewalt, Zwang und besonders von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung zu sehen und nicht aus dem moralischen Blickwinkel darüber zu berichten. Dabei werden - natürlich - alle vorliegenden Berichte, Stellungnahmen, professionelle und wissenschaftliche Einschätzungen von den Fachberatungsstellen Prostitution, Gesundheitsämtern und sonstigen, die alle näher dran sind am Geschehen und aus jahrelangen Erfahrungen berichten, negiert oder einfach totgeschwiegen - ganz zu schweigen von den Protagonisten der Branche. Was SexarbeiterInnen, BordellbetreiberInnen und Kunden sagen und denken, spielt für den Spiegel (und die anderen meisten Medien) natürlich auch keine Rolle.

Oder ist die Recherche dann doch zu schwierig? Oder zu nüchtern? Sexarbeit ist halt nüchtern, tagtägliche Arbeit - mit einem unverstellten Blick auf die Sexualität. Das könnte allerdings gefährlich werden, weil damit auch die eigene Sexualität und der Umgang damit in den Fokus geraten könnte. Da ist es schon einfacher, draufzuhauen und sich zu beteiligen, dass Prostitution an den Rand der Gesellschaft und in dunkle Ecken gedrängt wird.

Sorry - mit dieser Propaganda hat der Spiegel auch der Glaubwürdigkeit des Journalismus und der Medien-Branche einen Bärendienst erwiesen.

Weiterhin lesenswert:
Leserbrief von Dona Carmen

blogs:
http://courtisane.de/blog/?p=659

http://www.bizarrlady-undine-hamburg.de

01. - 05. 05. 2013
Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag gestaltete sich bzgl. Prostitution zu einem Wechselbad der Gefühle:
- Während am Donnerstag vor der Veranstaltung "Zwangsprostitution - bei uns vor der Tür?  Eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit" in der Fischauktionshalle, heftig gegen Prostitution gestritten wurde und eine freiwillige, selbstbestimmte und lustvolle, auf dem Boden unseres Grundgesetzes basierende (Art. 12, 1 GG: Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. Die Berufsausübung kann durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes geregelt werden. ) Arbeit bestritten und in einen Topf geschmissen wurde mit Menschenhandel, Ausbeutung, Vergewaltigung und Gewalt, die klar von unserer Rechtsordnung als Straftatbestände betrachtet und verfolgt werden,

- und wo draußen Aktivistinnen und Sympathisantinnen informierten und demonstrierten und in vielen Einzelgesprächen für einen differenzierteren Blick auf die Prostitution sich einsetzten und Flagge zeigten,

- diskutierten wir am Samstag nach dem Film "Rachels Weg", diesmal gemeinsam mit Kinobesuchern, speziell mit Menschen mit Behinderungen, über die Bedeutung von Sexualität und das Recht eines jeden Menschen, auch derer, die in ihrem Handeln und ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt sind und/oder in Einrichtungen oder mit Unterstützung von Assistenten leben, über die verschiedenen Hürden, die überwunden werden müssen, um Intimität, Beziehung, Nähe und Körperlichkeit und Sexualität erleben und ausleben zu können. Sexualassistenz oder der Besuch eines Bordells sind dabei mögliche Erlebnisformen.

Gegeneinander oder miteinander? Anlässlich des Kirchentages hätte ich mir mehr Veranstaltungen gewünscht, wo Dialoge - auch über Prostitution und mit Prostituierten - initiiert wurden - auch im Bemühen von lösungsorientierten Ansätzen. Stand der Kirchentag nicht auch unter dem Motto: Inklusion?

Kirchentagsflyer

http://www.ndr.de/regional/hamburg/kirchentag/wersglaubt/sexarbeiterin109.html

Di. 23. 04. 2013
Diskussion nach Theateraufführung "Rotlicht" in Göttingen
"IM DIALOG Theater trifft auf Prostitution"

                         

"Ruf mich an!"
Der Titel dieses Dokumentartheaters deutet schon auf die "Echtheit" bzw. den realistischen Ansatz hin, den die werkgruppe 2 mit der Rotlicht-Aufführung verfolgt. Stellt man sich den Titel "Ruf mich an!" rauchig und verführerisch gesprochen vor, taucht vor dem geistigen Auge sofort die im TV zu später Stunde dargebotene Werbung auf - möglichst mit der Peitschen schwingenden Domina im schwarzen Leder-Outfit und den ferrari-rotem Lippen.
Auch im Theater werden die Zuschauer aufgefordert anzurufen; zunächst freundlich, mit zarten Cembalo-Klängen untermalt, in soften, sphärisch-lockenden Tönen bis hin zu nachdrücklichem Aufruf mit Megafon und Ansprache einzelner Personen: "der Herr mit Brille in der 3. Reihe" - z. B. Das Konzept baut damit auf Interaktion des Publikums mit den Schauspielerinnen auf, die wie in der tatsächlichen Prostitution ein Gegenüber, eine Kommunikation und ein gewisses Interesse brauchen. Und das macht jede Vorstellung anders - einzelne Aspekte und Geschichten präsentieren die Schauspiererinnen nur, wenn entsprechende Anrufe und Nachfragen kommen.

Eine grandiose Theatermethode mit den besten Darstellerinnen, die mich tief beeindruckt und und bewegt haben und meine kühnsten Vorstellungen weit übertrafen. Aber ich kannte diese Theaterarbeit auch nicht, hatte ein Interview gegeben und geduldig gewartet auf das Ergebnis. Es hat sich gelohnt!

Julia Roesler und ihr Team hatten Interviews mit wahrlich verschiedenen Sexarbeiterinnen geführt und daraus eine Gesamtkomposition geschaffen, die fast 1 : 1 in Sprache, Betonung, persönlichen Ausdruck und Slang dem der Kolleginnen entsprachen: die Frau mit dem Fränkischen Dialekt, dem trockenen Witz oder die mit den langen, übergreifenden Erklärungen oder die andere mit dem ausländischen Einschlag sprechenden... Die Sexarbeiterinnen hatten in den offenen Interviews ausführlich Stellung genommen: wie sie mit dem Job begonnen hatten, was er für sie bedeutet, wie sie sich im Laufe der Jahre entwickelt/professionalisiert/integriert hatten, über das Verhalten der Familie und von Freunden, über Heimweh, über politische Einschätzungen und rechtliche und gesellschaftliche Benachteiligungen, über ihren vielfältigen und so unterschiedlichen Service, die Arbeitsbedingungen, die Preise und die Erfahrungen mit den Kunden. "Katharina, Maria, Sveta, Barbara, Elena, Ana, Gerda, Sylvia und Yvonne erzählen .... Anekdoten aus dem Arbeitsalltag, berichten aber auch von existentiellen Schlüsselmomenten in ihrem Leben. Sie sprechen über ihr Selbstverständnis als Prostituierte, Hure oder Sexarbeiterin und über den Auftrag, den sie in ihrer Arbeit sehen. Sie formulieren ihre Ängste und Nöte, denken nach über ihr Verständnis von Liebe und Glück." (Zitat aus dem Programmheft)

Unsere beruflichen und z. T. privaten Leben wurden lebendig, authentisch und fröhlich und bunt - so wie sie sind- auf die Bühne gebracht. Meiner Meinung nach hat die werkgruppe2 damit mehr Aufklärung betrieben und realistische Einblicke in die Prostitution gewährt, als es eine Talkshow oder Podiumsdiskussion leisten kann. Mit manchen Klischees und Mythen konnte aufgeräumt werden. Auch weil sie bei einem Aspekt geblieben sind: der Arbeit und den Erfahrungen der Sexarbeiterinnen.

Chapeau - ich verbeuge mich vor den Leistungen des riesigen Teams und sage .

Mo. 22. 04. 2013
Der Frühling ist da - ohne Frage.

   
 

So. 21. 04. 2013 - 11.00 Uhr:
Im west.art Talk "Unterm Strich - Was hat die Legalisierung der Prostitution gebracht?" diskutierte ich mit

- Chantal Louis, einer EMMA-Journalistin, die absolut gegen Prostitution argumentierte und für dessen völligem Verbot - aus unterschiedlichen Gründen eintrat,

- Rosha Heiler, die als Solwodi-Streetworkerin (davor bei der Forschungsabteilung des Bundeskriminalamtes) überwiegend mit den Frauen auf der Aachener Antonstr. zu tun hat und trotz der bekannten Positionen von Soldowi ein differenziertes Bild von Prostituierten vertrat,

- Sabine Grenz, der Wissenschaftlerin, die über Kunden geforscht hat, und auf einer rechtebasierenden Ebene blieb,

- Michel Ruge, Schauspieler, der auf St. Pauli/HH aufgewachsen ist und in dem Buch "Bordsteinkönig" sein Leben auf dem Kiez beschrieb

und der Moderatorin Bettina Böttinger, die immer wieder nach Gemeinsamkeiten zwischen den z. T. heftig vorgetragenen und konträren Positionen suchte bzw. zu vermitteln versuchte.

Für mich bedeutete die Teilnahme eine Achterbahn der Gefühle - obwohl ich alle Argumente und Anfeindungen schon seit Jahren kenne und immer wieder begegnet bin.
Auf der inhaltlichen Ebene ist es sicher wichtig, in der großen Anonymität der Prostitution Gesicht zu zeigen, über die Realitäten zu berichten und Forderungen zu formulieren.
Aber es macht wenig Sinn, Prostitution mit Menschenhandel zu verquicken, moralische Positionen kämpferisch vorzutragen und nicht in den Dialog und vor allen Dingen nicht zu Lösungen für die unterschiedlichen Probleme zu kommen.

Köln hat mich dann anschließend entschädigt:
Nach einem Besuch im Dom, einem Spaziergang am Rhein bei strahlendstem Sonnenschein, nach Kuchen und Sekt bei Life-Musik und dem tiefsinnigen und herrlich offenen Witz des Hänneschen Theaters konnte ich in der Sauna den Rest an Schmutz ausschwitzen. Ich bin doch en Kölsche Jeck: Leve un leve lasse!

     

19./20. April 2013
Pressemitteilung:

"Gründung einer Sexarbeiter-Vereinigung

Mit mehr als fünfzig Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern fand am letzten Wochenende die Gründungsveranstaltung einer bundesweiten Vereinigung statt. Das Spektrum der Anwesenden reichte von Wohnungs-, Bordell- und Straßenprostituierten über Escortdamen, Callboys und Tantramasseurinnen bis hin zu Dominas. Die neue Vereinigung soll die Interessen von Sexarbeiterinnen gegenüber Politik, Medien und Öffentlichkeit vertreten. Ein weiteres Anliegen der Vereinigung ist es, ein realistisches Bild von Sexarbeit zu vermitteln. Anlass der Gründung sind die zahlreichen immer noch vorhandenen gesetzlichen Sonderverordnungen, die Sexarbeiterinnen in ihrer Arbeit behindern. Beispiele sind die Sperrgebietsregelungen und das Werbeverbot. Dazu kommt der lauter werdende Ruf aus Politik und Medien nach einer "Verschärfung des Prostitutionsgesetzes". Anstatt die Position der Sexarbeiterinnen zu stärken, droht eine deutliche Verschlechterung der Arbeitsbedingungen in der Branche.
Im Rahmen der Auftaktveranstaltung beschäftigten sich die Teilnehmer mit den brennendsten Themen rund um die Sexarbeit. Dies waren u.a. die Diskussion um eine Konzessionierung von bordellartigen Betrieben, Professionalisierung sowie bundesweite und internationale Vernetzung.
Zum nächsten deutschlandweiten Treffen im Herbst dieses Jahres sind weitere Kolleginnen und Kollegen aus der Sexbranche herzlich aufgefordert, sich der Organisation anzuschließen."

Sa. 06. 04. 2013
Premiere von "Rotlicht" der werkgruppe 2 im Deutschen Theater Göttingen.


Ensemble (Foto Isabel Winarsch)

"Die dokumentarisch-musikalische Milieustudie untersucht unter der Regie von Julia Roesler und der musikalischen Leitung von Insa Rudolph eine moderne Dienstleistungsbranche, die zugleich als »das älteste Gewerbe der Welt« gilt. Basierend auf Interviews mit Prostituierten aus ganz Deutschland ist ein Theatertext entstanden, der das Berufsleben im Zwielicht beleuchtet und Widersprüche zulässt und erzählt.
 

Mo 11. 03. 2013
Der Berliner Kurier hat heute - wieder einmal - ein wichtiges Thema aufgegriffen und ausführlich beschrieben: Sexualassistenz wird immer wichtiger, weil
- Menschen immer älter werden,
- Menschen auch im Alter und mit Behinderungen Intimität und Sexualität erleben wollen,
- Menschen ihre Rechte aktiv einfordern,
- Pflegepersonal und Angehörige sie dabei unterstützen.

Der ausführliche Artikel

So 10. 02. 2013

   

Heute beginnt nach dem chinesischen Horoskop das Jahr der Wasser-Schlange.

Die Wasser-Schlange gilt als herausragend klug, logisch denkend und kreativ. Ihre Eigenschaften sind vorteilhaft für Geldangelegenheiten - außer für Spekulationen und Glücksspiele. D. h. wer eine gut durchdachte Idee hat, entschlossen seinen Weg geht und sich unterwegs nicht verzettelt, nutzt die Einflüsse richtig. Dann stehen die Erfolgschancen gut.
 

                                                Im Jahr der Wasser-Schlange wird die Familie nicht verhungern.
 

Konfrontationen und Disharmonien können zwar nicht ausgeschlossen, aber mit einem analytischen Verstand gelöst werden. Auf sein Bauchgefühl sollte man sich jetzt nicht so sehr verlassen. Konsequenzen aus Fehlern, die 2012 im Jahr des Drachen begangen wurden, müssen nun gezogen werden – wieder mit kühlem Kopf und klaren Entscheidungen.
 

                                                Ruhe und Umsicht bringen Erfolg. – Das wünschen wir Ihnen Allen.
 

Di 29. 01. 2013
Rene Durand, der Gründer des legendären Erotik-Theaters "Salambo" an der Großen Freiheit 11 in Hamburg wurde heute beerdigt. Er war am 17. 01. 2013 nach langer Krankheit im Alter von 85 Jahren gestorben. Rene Durand hatte bereits mehrere Herzinfarkte hinter sich und seine Organe arbeiteten kaum noch. Außerdem litt er an Alzheimer und Krebs.

Rene Durand hatte dem Kiez mit seinem "Salambo" gehörigen Pepp verliehen. Mit seinen speziellen Erotikshows wurde er damals weit über Hamburg hinaus bekannt und beliebt. Trotzdem hatte er auch mit den damaligen Gesetzen zu kämpfen und musste sich u. a. einem Strafverfahren stellen, weil er Kondome öffentlich auslegte, die das Gesundheitsamt bei ihm hinterlassen hatte und die die Polizei dann vorfand.

Der Kiez trauert um René Durand und begleitete ihn heute auf seinem letzen Weg.

Das Leben des ehemaligen "Sex-Papstes" wurde gerade für Fernsehen und Kino verfilmt. Günter Zint hat den Franzosen erzählen lassen. Aus dem Material entsteht außerdem ein Buch mit dem Titel "René Durand – eine ganz besondere Biografie".


Foto: pa/dpa
René Durand
Der als "König des Sex" bezeichnete Franzose René Durand am Telefon, aufgenommen am 6. November 1970. Seine bekannte Sex-Show in der Nachtbar "Salambo" war selbst für das Hamburger Vergnügungsviertel zu "stark".

Fr. 25. 01. 2013
Hilfe! Die femen kommen. Sie starteten erste Nackt-Aktionen, z. B. in Köln vor dem PASCHA und in der Hamburger Herbertzstr.

http://www.berliner-kurier.de/panorama/halbnackt-bei-minusgraden-in-der-herbertstrasse-femen--nackt-protest-gegen-prostitution,7169224,21560264.html

http://www.bild.de/regional/hamburg/femen/busen-demo-durch-die-herbertstasse-28262104.bild.html

Da ist wieder eine Gruppe, die besser weiß, was gut für uns ist - als wir selbst. Natürlich haben sie auch vorher mit keiner Sexarbeiterin gesprochen. Waren auch während der Demo zu Gesprächen nicht bereit. Aber forderten ganz klar: Das wir eingesperrt würden und sie uns jetzt befreien.

Mo. 21. 01. 2013
Es tut sich was an der Sexarbeiter-Front. Wir haben es satt, dass immer andere über uns sprechen und natürlich auch immer besser wissen, wie es in unserer Arbeit, in unserem Kopf, in unserem Herzen und der Seele aussieht. Und wir zeigen Flagge und verstecken uns nicht mehr.

                       

www.sexwork-deutschland.de

                       

Die., 08. 01. 2013
Erneut ist ein guter Film über Prostitution in die Kinos gekommen: "Paradies: Liebe" berichtet über die mühevolle Arbeit von sog. Beachboys, unseren Kollegen in Kenia, die sich spezialisiert haben auf Touristinnen.  Eine wahrhaft schwere Arbeit, weil die Kundinnen, die sog. Sugarmamas, mit einem Berg von Identitätsproblemen, Bildern von Schönheitsidealen, Fragen des Alterungsprozessen und den Folgen der fehlenden Partnerschaften, Intimitäten und Sexualität kommen ... und eigentlich für die Leistungen keinen fairen, monetären Preis zahlen wollen. Eigentlich wollen sie Liebe, ohne diese selbst geben zu können.
Gleichzeitig gibt der Film Einblicke in unsere europäische Welt der Sexualität und dem Verhältnis der Geschlechter.

Bewundernswert finde ich die Arbeit des Regisseurs Ulrich Seidl, der die Rollen der Beachboys mit "Laiendarstellern" besetzt hat, also mit kenianischen Männern, die als Sexarbeiter schon gearbeitet hatten und zudem ihre Erfahrungen in die Dialoge und Abläufe einbringen konnten. Dadurch ist der Film sehr authentisch. Er greift ein Tabuthema auf und will den Schleier lüften.

Auf in die Kinos und anschließend diskutieren!

www.kino-zeit.de/filme/trailer/paradies-liebe

Die., 01. 01. 2013
"Nichts kann den Menschen mehr stärken, als das Vertrauen,
das man ihm entgegen bringt."
                                            Hamack

Mo., 24. 12. 2012
"Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar..."
                                                Saint-Exupery, Der kleine Prinz

Mo., 17. 12. 2012
Den Internationalen Gedenktag gegen Gewalt und Hasstaten an SexarbeiterInnen
begehen wir heute.

Fr., 07. 12. 2012

 

Brrrrr ............... ist das kalt!

Mo., 03. 12. 2012
Heute ist der Internationale Tag der Behinderung. Dabei wird erinnert an die leidige Tatsache, dass längst nicht alle Menschen in unserer Gesellschaft gleichberechtigt sind und dass viele aufgrund von Barrieren, tatsächlichen und gedanklichen, von Vielem ausgeschlossen werden - obwohl es um Menschenrechte geht, die sowohl in unserer Verfassung verankert sind, als auch in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben und von Deutschland 2009 unterschrieben wurde.

Umfassender wäre es, von Inklusion zu reden, was soviel heißt wie: gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft.

Der Gedanke der Inklusion wird getragen von einer Haltung, die den Reichtum einer Gesellschaft in seiner Vielfältigkeit sieht. Und zwar in wirtschaftlicher, politischer und kulturellen Hinsicht. Und da eine Gesellschaft  aus Menschen besteht, die sie und ihr Wohl prägen, müssen alle Menschen in allen wichtigen Lebensbereichen an ihr beteiligt werden und die Möglichkeit bekommen, sich zu beteiligen. Also erhält - bei einer gelungenen Inklusion - jeder Mensch erhält die Möglichkeit, sich vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen – und zwar von Anfang an und unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter.

Viel bleibt zu tun, denn es reicht nicht von Inklusion zu reden, sie muss auch ins tägliche Leben umgesetzt werden - es geht um Zusammenleben, Zusammenarbeiten und Zusammenliegen - auch um Respekt und Umgang auf Augenhöhe.

Der Film "Me too - Wer will schon normal sein" macht deutlich, wie das gehen kann. Der spanische Film der Regisseure Alvaro Pastor Gaspar und Antonio Naharro aus dem Jahre 2009 erzählt die Geschichte von Daniel, der "seine neue Arbeit beim Amt für Gleichstellung in Sevilla beginnt. Er ist intelligent, einfühlsam und humorvoll, doch ein defekter Fotokopierer kann ihn in den Wahnsinn treiben: Daniel hat das Down-Syndrom. Seine Arbeitskollegin Laura hat ihr Leben nicht im Griff: mit ihrer Familie hat sie gebrochen, nachts dröhnt sie sich in Diskotheken mit Alkohol zu und schläft wahllos mit fremden Männern. Doch als eine von wenigen nimmt sie Daniel trotz seiner Behinderung ernst. Daniel verliebt sich in sie, doch erlebt zunächst eine herbe Abfuhr.

Auch andere Menschen mit Down-Syndrom in Daniels Umfeld haben mit Problemen zu kämpfen: Pedro und Luisa verlieben sich in einer Tanzgruppe ineinander und stoßen damit auf völliges Unverständnis bei ihren Familien. Nur langsam erreichen sie es durch Hartnäckigkeit und die Unterstützung von Laura und Daniel, dass ihre Liebe von ihrem Umfeld akzeptiert wird.

Als Lauras Vater im Sterben liegt, ringt sich Laura nach langem Sträuben dazu durch, in ihre Heimatstadt Madrid zurückzukehren. Der Zuschauer ahnt, dass Lauras Vergangenheit von einem dunklen Geheimnis überschattet wird, doch zu einer Aussprache mit ihrem Vater kommt es nicht mehr. Erst nach seinem Tod erfährt Laura, dass er sie, bevor er ins Koma fiel, um Verzeihung für das gebeten hat, was er ihr angetan hat. Auch Daniel reist nach Madrid, um Laura beizustehen. Die beiden kommen sich wieder näher und gestehen sich gegenseitig ihre Liebe, von der sie aber auch erkennen, dass sie für sie auf Dauer eine Unmöglichkeit ist. Laura erklärt Daniel, dass sie mit ihm in dieser Situation Liebe machen will, jedoch nur ein einziges Mal, nicht mehr – aber auch nicht weniger, wie Daniel glücklich feststellt. Bei seiner Rückfahrt von Madrid wächst in Daniel die Erkenntnis, dass er zwar noch nicht die Liebe seines Lebens gefunden hat, aber an seinen Erfahrungen gewachsen ist." (Quelle: Wikipedia)

Ein berührender Film, der trotz vieler Fragezeichen, doch eine gewisse Normalität auf der Leinwand zeigt: am Arbeitsplatz, in der Familie, der Kneipe, bei Freizeitaktivitäten, in persönlichen Krisen und beim Sex. BRAVO!

Mo. 26. 11. 2012
Ein neues Buch liegt auf den Verkaufstischen - und vielleicht bald auch auf dem ein oder anderen Gabentisch: "101 % Hure - Sex, Drogen, Gewalt - eine Insiderin packt aus"
Alina Angel hat ihre 10-jährige Prostitution in Buchform gepresst und dazu leider einen gänzlich ungeeigneten Titel gefunden. Denn sie stellt sich sehr passabel als Profi-Hure dar, mit klaren Statements, wie frau das auch gut umsetzen kann. Aber vielleicht soll der Titel ja den Kaufanreiz stärken!

Die Ex-Kollegin aus Leipzig beschreibt mit einer flotten, an den passenden Stellen in einer leicht schlüpfrigen Sprache beschwingt ihren Weg über das Strippen in die Prostitution und lässt den/die LeserIn an ihrem täglichen Arbeitsleben anschaulich teilhaben. Erfrischend ist ihre klare Professionalität: Transparenz über das Preis-Leistungsverhältnis, hygienische und gesundheitliche Standards, persönliche Grenzen der sexuellen Dienstleistungen und die Trennung von geschäftlichem und privatem. Dennoch spart sie die Schattenseiten und Risiken des Berufes nicht aus und gesteht deutlich, aber auch kritisch ihre "Vorlieben für bestimmte Männer und Drogen". So kann sie sicher auch als gutes Beispiel herhalten für die bekannte Aussage: Zuhälter werden nicht als solche geboren, sondern (von Frauen) dazu gemacht.

Das Buch ist gut zu empfehlen für Einsteigerinnen und sonstige Interessierte. Wichtig sind dabei auch die unendlichen Beschreibungen der verschiedenen Kunden. Ja, so bunt sind sie - halt wie Männer im allgemeinen. Für Alt-Huren bietet es nichts neues. Dennoch ist es eine wichtige Bestätigung von dem, was viele andere auch schreiben/aussagen könnten.

Ich hätte mir ein paar Beschreibungen über die Kunden weniger gewünscht. Beispiele wie diese reihen sich aneinander: " Wir vereinbarten den Preis, entkleideten uns und erledigten die Intimhygiene. Entspannt legte sich Sandro in mein Bett und betrachtete meine Möpse. Er streichelte und küsste sie. Ich massierte seinen Körper und spürte, wie sein Schwanz größer und dicker wurde. Sandro war ein Genießer. Ich zog ihm das Präservativ über und verwöhnte ihn mit dem Mund. Mein Französischunterricht gefiel ihm. Genüsslich schaute er mir zu. Auf einmal leuchteten seine kleine Schlitzaugen auf und Sandro atmete heftig und wurde hibbelig. Er verkrampfte, nahm die Hand an seine Rute und drückte fest zu. Er wollte den Orgasmus zurückhalten, aber es klappte nicht. Der Samen strömte in den Gummi." (Seite 254) Auf der anderen Seite: so ist halt der tägliche Arbeitsalltag einer Hure. BRAVO an Alina.

Alina Angel, 101 % Hure, 271 Seiten
TOPSecret Verlag
17,90 Euro

Apropo: Der Verlag sucht weitere Autoren mit ähnlichen Themen!

16. - 18. Nov. 2012
1. Frankfurter ProstitutionsTage
Veranstalterin: Donna Carmen, Frankfurt am Main

13. - 15. Nov. 2012
Jahresfachtagung bufaS - Forum Sexarbeit in Bochum
"SexarbeiterInnen willkommen in Europa?!"

 

Mi 24. 10. 2012
Ü 21
– schalt es durch die Lande.

Ist das eine U-Bahnlinie? Oder etwa der Titel einer Party, die sich an Personen über 21 Jahren richtet? 50 + kenne ich von Werbeangeboten  u. a. für Handys, Versicherungen und Reisen. Hier werden extra Personen über 50 Jahren angesprochen. Doch Ü 21?

Doch es ist Realität. Mehr und mehr setzt sich diese Bezeichnung in der Prostitution durch und soll besagen, dass nur Personen über 21 Jahren dem Job nachgehen oder in einem Bordell zugelassen werden dürfen. Bordellbetreiber werden von der Polizei und den Gerichten drangsaliert, nicht mit Frauen unter 21 Jahren zusammen zu arbeiten oder Zimmer an sie zu vermieten.
Und wird doch mal eine jüngere Frau bei einer Kontrolle oder Razzia angetroffen, so droht man ihr. Dann verlässt sie meist angstvoll und weil sie die Konsequenzen nicht abschätzen kann das Bordell überstützt.

Dieses Verhalten ist jedoch ungesetzlich, d. h. es gibt dafür keine gesetzliche Basis. Im Gegenteil: in Deutschland wird man mit Erreichen des 18. Lebensjahres volljährig, d. h. man kann wählen, man kann Verträge abschließen, also eine Wohnung mieten oder ein Auto kaufen und auch Lehr - und Arbeitsverträge abschließen und natürlich auch heiraten. Eine Einschränkung der freiwilligen Prostitutionsausübung ab 21 Jahren steht in keinem Gesetz.

Gemäß § 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) erlangt man in Deutschland die Volljährigkeit, („Die Volljährigkeit tritt mit der Vollendung des 18. Lebensjahres ein.“) d. h. man wird voll geschäftsfähig und erhält gleichzeitig das passive Wahlrecht auf kommunaler und Bundesebene. Das aktive Wahlrecht zum Bundestag erlangt man ebenfalls mit der Vollendung des 18. Lebensjahrs (Art. 38 Abs. 2 GG).

Nach Art. 12 des Grundgesetzes (GG) haben alle Deutschen „das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.“

Danach hat eine Frau/ein Mann ab der Vollendung des 18. Lebensjahres das Recht:

Ø  sich für die Ausübung der Prostitution zu entscheiden,

Ø  den Beruf auszuüben,

Ø  (mündliche und schriftliche) Verträge mit den Kunden über die Ausübung der sexuellen Dienstleistung und das entsprechende Honorar abzuschließen,

Ø  Kondome, Dildos, Dessous, etc. zu kaufen,

Ø  Werbung zu schalten, d. h. Verträge über Werbung abzuschließen und

Ø  Mietverträge für Räume zur Ausübung der Prostitution (für kurze oder längere Zeit) abzuschließen.

In  § 180a2 des Strafgesetzbuches (StGB) Ausbeutung von Prostituierten heißt es dann auch folgerichtig: „Ebenso wird bestraft, wer
1. einer Person unter achtzehn Jahren zur Ausübung der Prostitution Wohnung, gewerbsmäßig Unterkunft oder gewerbsmäßig Aufenthalt gewährt ….“

Nur im Zusammenhang mit Menschenhandel und in Situationen, wo von Freiwilligkeit keine Rede ist, besteht eine Altersgrenze von 21 Jahren:

§ 232 StGB: Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung

(1) Wer eine andere Person unter Ausnutzung einer Zwangslage oder der Hilflosigkeit, die mit ihrem Aufenthalt in einem fremden Land verbunden ist, zur Aufnahme oder Fortsetzung der Prostitution oder dazu bringt, sexuelle Handlungen, durch die sie ausgebeutet wird, an oder vor dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen oder von dem Täter oder einem Dritten an sich vornehmen zu lassen, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. Ebenso wird bestraft, wer eine Person unter einundzwanzig Jahren zur Aufnahme oder Fortsetzung der Prostitution oder zu den sonst in Satz 1 bezeichneten sexuellen Handlungen bringt.
 

Einer SexarbeiterIn die Arbeit in der Prostitution nur mit Hinweis auf ihr Alter – zwischen 18  und 21 Jahren – zu verbieten, bedeutet, sie ihrer elementaren Grundrechte zu berauben.

Die Altersanhebung auf über 21 Jahren stellt nicht den nötigen Schutz dar, sondern nur eine Professionalisierung, d. h. nur eine selbstbewusste, informierte, freiwillig tätige SexarbeiterIn, unterstützt von KollegInnen und ein rechtebasierender und auf Respekt aufbauender Berufshintergrund stellen einen weitest möglichen Schutz vor Abhängigkeit, Ausbeutung, Gewalt und Zwang dar.   


Ü 21
ist Augenwischerei! Erst recht kein Ersatz für Rechte!

 

Di 23. 10. 2012

Das Handwerk in St. Pauli ist ganz schön frech. Als Handwerker haben sie sicher geschickte Hände. Aber wir haben in unserem Job mindestens genauso geschickte Hände. Aber vielleicht waren diese Handwerker ja noch nie im Puff und noch nie bei einer Sexarbeiterin. Denn die kann ganz schön massieren, streicheln und mit einer Handentspannungen verwöhnen. Sorry, Jungs - das habt ihr was verpasst.

 

Ebenso auffallend ist die Werbung der Polizei von St. Pauli:

 

 

Mo 22. 10. 2012
"SEXARBEIT IN EUROPA HEUTE":
Ein besonderer Spirit lag in der Luft, als die VertreterInnen des EU-Projektes INDOORS im legendären Salon Schmidt des Schmidts Tivoli in Hamburg auf der Reeperbahn von den Arbeitsbedingungen und den rechtlichen und gesellschaftlichen Repressalien der SexarbeiterInnen in ihren Heimatländern berichteten.

"In Bulgarien ist Sexarbeit nicht geregelt, also weder legalisiert noch kriminalisiert. Im Gegensatz dazu stehen Zuhälterei, Menschenhandel, Zwangsprostitution und die Prostitution Minderjähriger unter Strafe, ebenso wie das Organisieren und Führen von Räumlichkeiten für die Ausübung von Sexarbeit. Dadurch können nicht nur die Betreiber, sondern auch die SexarbeiterInnen bestraft werden. Bis jetzt gebt es keine Regelungen der Angebote von sexuellen Dienstleistungen über das Internet.

Seit nunmehr 10 Jahren ist das Prostitutionsgesetz in Deutschland in Kraft. Dieses Bundesgesetz ist die Grundlage dafür, dass SexarbeiterInnen jetzt z. B. Arbeitsverträge schließen oder ihre Arbeit als Selbstständige ausüben können, impliziert auch die Möglichkeit, Anspruch auf soziale Leistungen durch die Sexarbeit zu erwirken. Das neue ProstG sollte vor allem zur Verbesserung der rechtlichen Situation von SexarbeiterInnen (z. B. Einklagbarkeit von Entgelt) dienen.
Die Anwendung des Gesetzes aber variiert in den einzelnen Bundesländern und wird vor allem als Grundlage zur Besteuerung der Sexarbeit herangezogen. So finden sich zum Beispiel in einem Bundesland Steuerautomaten (ähnlich einem Parkautomat), bei denen die Frauen vor Beginn ihrer täglichen Arbeit ein Steuerticket ziehen müssen. In anderen Bundesländern wird nicht nur das Arbeitszimmer, sondern die ganze Wohnung (Dusche, Toilette ... ) als Arbeitsplatz angesehen und es muss für jeden qm eine Phantasiesteuer gezahlt werden.
Unabhängig davon, dass das Gesetz zur Anerkennung von sexuellen Dienstleistungen als Arbeit beiträgt, enthält es doch offensichtliche Lücken, die noch verändert werden müssen!

Sexarbeit wird in Finnland durch viele verschiedene Gesetze eingeschränkt und die Möglichkeiten, legal zu arbeiten, sind sehr begrenzt. Das Strafrecht, das Ordnungsrecht und das Ausländerrecht schaffen gemeinsam den Rahmen, in dem bestimmte Formen des Kaufs und Verkaufs sexueller Dienstleistungen, die Gewinnerzielung durch die Sexarbeit einer anderen Person und die Erzwingung von Sexarbeit, verboten sind.

Sexarbeit ist in Frankreich weder geregelt noch verboten. Seit dem Gesetz für die Innere Sicherheit von 2003 sind das aktive und das passive Anbieten von sexuellen Dienstleistungen in der Öffentlichkeit verboten (in Hotels, Saunas, Bars, Clubs oder auf der Straße). Diese Vorschrift regelt die nationale Ebene, gibt also im ganzen Land, wird jedoch auf regionaler Ebene unterschiedlich umgesetzt. Auch die Organisation/das Management von indoor-Sexarbeit ist verboten. Das Verbot von Zuhälterei umfasst eine ganze Reihe von verschiedenen Handlungen. zurzeit wird häufig über die Kriminalisierung von Kunden diskutiert.

Sexarbeit ist in Italien weder geregelt noch als Verbrechen eingestuft. Das Gesetz sieht jedoch Strafen vor für die Ausbeutung, das Anbieten und die Förderung der Prostitution und verbietet Sexarbeit im privaten Wohnbereich und an öffentlichen Orten (Bars, Sauna-Clubs, etc.). Demzufolge arbeiten SexarbeiterInnen in Italien hauptsächlich auf der Straße.

In den Niederlanden ist Sexarbeit seit 2000 als Beruf anerkannt. Prostitution ist gesetzlich erlaubt, darf aber nur in lizenzierten Etablissements ausgeübt werden. Die Durchführungsverordnungen im einzelnen unterscheiden sich je nach Kommune.

Bis vor kurzem galt Sexarbeit in Österreich als sittenwidrig. Dies wurde durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofes vom 18. April 2012 aufgehoben. Sexarbeit kann grundsätzlich legal ausgeübt werden, unterliegt aber vielen Einschränkungen. Neun Landesgesetze regeln auf unterschiedliche Weise, wann, wo und von wem der Sexarbeit nachgegangen werden darf. Zusätzlich gibt es auch noch bundesgesetzliche Regelungen. So müssen sich SexarbeiterInnen offiziell registrieren lassen, sich regelmäßig Gesundheitskontrollen unterziehen und Steuern zahlen. In Wien wurde im November 2011, nach massiven Protesten von EinwohnerInnen, ein neues Prostitutionsgesetz beschlossen. In diesem wurde die Straßenprostitution in Wohngebieten in Wien verboten, ein neues Registrierungssystem für Sexlokale eingeführt und die Freierbestrafung in bestimmten Fällen etabliert.

Es gibt in Portugal keine spezielle Gesetzgebung bezüglich Sexarbeit. Freiwillig ausgeübte Prostitution ist kein Verbrechen, ist aber auch kein anerkannter Beruf. lauf Strafgesetzbuch ist "das Verkuppelt" eine strafbare Handlung.

In Spanien ist Prostitution nicht geregelt, also weder verboten noch als Arbeit anerkennt. Zwar wurde Sexarbeit im Jahre 1995 entkriminalisiert, die Rechte von SexarbeiterInnen sind dennoch nicht anerkannt. Gemäß Art. 188 des Strafgesetzbuches wird Zuhälterei als strafbare Handlung angesehen."

Die Vorstellung dieser Länderberichte macht deutlich, in welch komfortablen Situation wir in Deutschland sind, quasi in einem Schlaraffenland - bei allen berechtigten Forderungen zur Behebung der Ungleichheit. Aber es zeigt auch, welch ein Druck von den anderen europäischen Ländern auf uns zuschwappen könnte.

INDOORS unterstützt SexarbeiterInnen, die in Wohnungen, Bordellen, Massagesalons, Fenstern, Bars, Clubs, Saunas und über das Internet arbeiten. Das EU-Projekt entwickelt und vermittelt Strategien, damit sich Sexarbeiterinnen gegen Diskriminierung, Stigmatisierung und Gewalt schützen und sich für Ihre Rechte einsetzen können.
INDOORS II wurde von Januar 2011 bis Dezember 2012 von neun Organisationen in neun europäischen Städten Amsterdam, Genua, Hamburg, Helsinki, Madrid, Marseille, Porto, Sofia und Wien durchgeführt.

(Photo: Brigitte Reinhardt/HH)

Daneben wurde das phantastische Video-clip und das neue Buch "Pictures of a Reality" präsentiert. Das Video macht deutlich, wie normal Prostitution ist und welch große Übereinstimmungen es mit anderen Berufen (hier dem der Architektin) gibt.
Das Buch ist in seiner Art einzigartig: Sexarbeiterinnen nehmen zu (fast) allen Facetten ihres Lebens und Arbeitens Stellung und das unverfälscht, echt und authentisch. Das spielerische, leichte Layout unterstreicht diesen Charakter - ein auch aus dieser Sicht lesens- und schauenswertes Buch, das erste seiner Art. 

Mich hat das Fest besonders glücklich gemacht, denn ich habe Kolleginnen und Mitstreiterinnen nach vielen, vielen Jahren wieder getroffen. Wir haben ernste und kuriose Gedanken und unserem Alter und unseren Erfahrungen gerechte Ideen (!) ausgetauscht und herzhaft gelacht.

H U R E N aller Länder vereinigt Euch!

Fr. 19. 10. 12
Die Veranstaltung der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen in Berlin 10 Jahre Prostitutionsgesetz blieb weit hinter meinen Erwartungen und auch Hoffnungen zurück. Denn Bündnis 90/Die Grünen waren in ihrem Handeln schon mal weiter und haben leider die letzten 10 Jahre - seit der Verabschiedung des ProstG keineswegs dazu genutzt
-
das ProstG bekannt zu machen und dafür zu werben,
- den eingeleiteten Paradigmenwechsel zu stärken und auf die anderen Gesetze (wie Gewerbe- und Baurecht, Steuergesetze und Ausländergesetze, SperrgebietsVO) zu übertragen
-
und auf die unteren Ebenen (Landes- und Kommunalbehörden) zur Gültigkeit zu bringen.....
geschweige denn die Branche und die Gesellschaft - im Dialog - zusammen zu bringen, gegenseitig für Verständnis zu werben und für einen gegenseitigen größeren Sachverstand zu sorgen. Damit haben auch sie den konservativen, repressiven und dirigistischen Kräften in unserem Land das Feld überlassen.
Aber vielleicht besonnen sie sich - in Vorbereitung auf die Bundestagswahlen im Herbst 2013 - eines Besseren und mischen sich wieder ein. Und vielleicht treten sie ja auch wieder in den Dialog mit den Beteiligten: den SexarbeiterInnen, den BordellbetreiberInnen und den Kunden!?

Vor 11 Jahren haben wir bei der Verabschiedung des Prostitutionsgesetzes im Bundestag noch gefeiert.....

Dankenswerterweise hat Matt Lehmann ausführlich mitgeschrieben und zusätzliche Infos angeführt:
“Wir wissen immer noch sehr wenig.” – 10 Jahre Prostitutionsgesetz (ProstG) in Deutschland
[URL] http://menschenhandelheute.wordpress.com/2012/11/04/10-jahre-prostg/

01. 10. 2012
"Manchmal scheint alles grau und grau,
doch plötzlich bricht die Sonne durch ..."

28. 09. 2012
Zum Thema "Behinderung und Sexualität" kann man mit Fug und Recht die Spastikerhilfe Berlin eG als Vorreiterin einer noch in den Kinderschuhen steckende Entwicklung bezeichnen. Schon seit 1992 tragen sie das Thema vor sich her, setzen sich auf allen Ebenen für eine Umsetzung des Rechts von Menschen mit Behinderungen auf Sexualität ein und legen in ihrem Konzept z. a. fest: "Sexualität ist eine grundlegende Lebenskraft und ein bedeutender Bestandteil eines Menschen. Neben der individuellen Sozialisation bilden die Normen und Werte einer Gesellschaft sowie die kulturellen Hintergründe dafür den Rahmen. Die Auseinandersetzung mit Sexualität ist für jeden Menschen ein fortlaufender Prozess. Den Begriff Sexualität fassen wir sehr weit: Zärtlichkeit, Geborgenheit, Händchen halten, Zugehörigkeitsgefühl, den eigenen Körper kennen lernen, Selbstbefriedigung oder auch Geschlechtsverkehr. Damit verbunden sind Gefühle von Verliebtsein, Eifersucht oder Liebeskummer, aber auch Themen wie Zusammenziehen, Heiratspläne, Kinderwunsch, Verhütung oder AIDS."
So arbeiten sie auch konsequent mit Sexualbegleiterinnen, Sexarbeiterinnen und Bordellen zusammen - im Interesse von einem Teil ihrer BewohnerInnen.

Und ebenso konsequent führten sie die 2. Fachtagung "Behinderung und Sexualität - Vom Tabu zur Umsetzung" durch und diskutierten mit einem engagierten und sachkundigen Publikum, wie Liebe, Nähe und Sexualität, als Grundrechte und Grundbedürfnisse, auch für Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen gelebt werden können.

22. 09. 2012
Der Film "Rachels Weg. Aus dem Leben einer Sexarbeiterin", der im Rahmen des inklusiven Filmfestivals der Aktion Mensch in mehreren deutschen Städten gezeigt wird, ist ein politisches Statement für die Anerkennung der Rechte und Leistungen von SexarbeiterInnen und die Anerkennung des Rechts auf Sexualität von Menschen mit Behinderungen und dessen praktischen Verwirklichung. Denn von einer Inklusion beider Gruppen sind wir weit entfernt.
Ich zolle meiner Kollegin Rachel aus Australien meine größte Hochachtung, denn sie ist nicht nur mit ihrer Arbeit und ihrem politischen Engagement an die Öffentlichkeit getreten, sondern gewährt uns auch intimste Einblicke in die Arbeit mit ihren Kunden. Auch können wir in anderer Hinsicht von den Australierinnen viel lernen:
- in einem Bundesstaat ist Prostitution gänzlich legalisiert und
- eine Allianz zwischen zwei marginalisierten Gruppen gelang, indem sie für ihre Forderungen gemeinsam auf die Straße gehen und praktische Lösungen im Institut "Touching Base" geschaffen haben. Dort werden Sexarbeiterinnen für die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen sensibilisiert und fortgebildet und eine tel. Vermittlungsstelle bringt die DienstleisterInnen mit den Kunden zusammen.

In der anschließenden Diskussion ging es dann munter hin und her: konsequent machte Matthias Vernaldi von Sexability deutlich, dass man nicht von Selbstständigkeit sprechen kann, wenn allein die Angehörigen von Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Behinderungen die Sexualität "organisieren" und z. T. auch vorbereiten. Er fordert eh eine völlige Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen. Seine Forderung nach einer Quote (ähnlich der Frauenquote in DAX-Unternehmen) in der Porno-Industrie, d. h. eine Beteiligung von Behinderten auch hier, nahm  er dann als Zuspitzung zurück.
Und sicher gibt es Situationen, in denen eine "Beteiligung" der Angehörigen das kleine Übel ist, als andererseits auf Sexualität ganz verzichten zu müssen. Doch letztlich müssen Normalitäten geschaffen werden, die Menschen mit Behinderungen einen uneingeschränkten Zugang zu ihrer Sexualität und deren Verwirklichung ermöglicht.

18. 09. 2012
In der taz war heute von mir zu lesen:

"Kommen Sie ins Bordell
Stolz und Vorurteil
Die mediale Inszenierung von Bettina Wulff geht auf Kosten der prostituierten. Eine Hure schlägt ihr einen Besuch am Arbeitsplatz vor - mit Praktikum

Zur Hure muss man Distanz halten. Immer dann, wenn das Thema Prostitution in deutschen Medien auftaucht - wie jetzt im Fall von Bettina Wulff -, geht es darum zu leugnen, zu verneinen, möglichst viel Abstand zwischen sich selbst und dieses immer noch als anstößig empfundene Gewerbe zu bringen. Ist das nicht langsam müßig?
Offiziell hat die Politik längst verstanden, dass Huren einem normalen Beruf nachgehen. "Im weltanschaulich neutralen Staat des Grundgesetzes ist die freiwillige Ausübung der Prostitution daher solange als autonome Entscheidung vom Recht zu respektieren, als keine Rechte anderer verletzt werden", schreibt die Bundesregierung in ihrer Evaluation von 2007. "Die eigenverantwortlich ausgeübte Prostitution verstößt nicht automatisch gegen die Menschenwürde der Prostituierten."
Sie ist zudem ein gewinnträchtiges, steuerzahlendes Gewerbe. An dessen Einnahmen die Behörden übrigens gerne mitverdienen - ob nun per Steuerautomat wie in Bonn oder in Form einer kommunalen Vergnügungssteuer wie in Duisburg.
Prostitution ist ein Beruf, dessen sich niemand schämen muss. Nicht nur, weil er auf dem Boden des Gesetzes steht. Sondern auch, weil viele Umfragen zeigen, dass die Deutschen Prostitution als wichtige Arbeit empfinden, die mit anderen Berufen gleichgestellt werden sollte.
Prostituierte befriedigen berechtigte Bedürfnisse von Männern und Frauen, die sonst unerfüllt blieben. Das ist eine wichtige soziale Aufgabe. Wer in diesem Beruf arbeitet braucht ein großes Herz und Freude am Menschen.
Natürlich findet es der eine oder die andere moralisch verwerflich, was wir tun - das ist ihr gutes Recht. Aber diese Moral darf nicht benutzt werden wie eine große Keule, mit der alles zu Klump gehauen wird, was einem persönlich nicht gefällt. Prostituierte zu diskriminieren, weil man sich selbst nicht vorstellen kann als Sexarbeiter sein Geld zu verdienen, ist in einer sich gerne aufgeklärt gebenden westlichen Gesellschaft ein unwürdiges Gebaren.
Schaut man sich das jetzige Medienspektakel um das angebliche "Vorleben" und das Buch der ehemalige First-Lady an, so scheint Bettina Wulff das anders zu sehen. Ich mache Ihr ein Angebot: Es lässt sich leise und gewiss auch von den Medien unbemerkt ein Bordell finden, dass ihr persönliche Einblicke in die Arbeit und die täglichen Geschäftsabläufe gewährt. Praktikum inbegriffen.
Denn vielleicht glaubt sie - die mit Sicherheit nie Hure war - tatsächlich all den Vorurteilen und Klischees über diesen Beruf. Etwa das Stigma "Huren machen für Geld alles". Sie selbst hat es jedenfalls verstanden, das Huren-Gerücht in klingende Münze umzusetzen.
Gerne stelle ich mir die Reaktion einer Sexarbeiterin vor, wenn die Medien behauptet würden, sie hätte früher für die CDU gearbeitet. Leider wird das nie passieren.
Was ich mir aber schon wünschen darf, ist eine  charmantere Klarstellung von Bettina Wulff. Was wäre denn so schwer daran gewesen, einfach zu sagen: "Nein, ich habe nicht als Prostituierte gearbeitet". Und dann hinterherzuschieben: "Aber an der Arbeit einer Prostituierten ist auch nichts auszusetzen."
So bleibt für mich und meine KollegInnen ein ziemlich übler Beigeschmack: auf der einen Seite die grandiose mediale Inszenierung einer öffentlichen Person und auf der anderen Seite die Herabwürdigung der Prostituierten, auf deren Kosten diese Inszenierung geht."

14. 09. 2012
Wow - das Leben bietet eine Fülle neuer und spannender Entdeckungen. So lernte ich gerade die webside www.pflege-deinen-schwanz.de kennen, die sich im Auftrag der Aids-Hilfe und des Gesundheitsamtes Dresden an Männer wendet und dabei die Kunden von SexarbeiterInnen nicht ausschließt. Hier kann man und frau sich z. B. informieren über Sex & Neugier, Gefühle & Verstand oder Körper & Gesundheit und grundsätzlich individuell entscheiden, ob in den Texten das Wort Penis oder Gemächt oder Johannes oder Schwanz benutzt wird. Und darüber hinaus kann man/frau sich gemütlich zurücklehnen, die Augen schließen und sich Texte vorlesen lassen.

Ja, Ihr lest richtig: VORLESEN. So hört man/frau die normalsten und sonderbarsten Dinge und wird mit angenehmer Stimme vielleicht sogar in das Land der Träume und Phantasien geführt.

Das Beste sind natürlich die Pflegetipps der Woche: Intimrasur, Teil 1 habe ich leider schon verpasst. Über "Regelmäßiges Waschen muss sein, aber zu oft NEIN" wird diese Woche berichtet. Man wird also dran bleiben müssen!

04. 09. 2012
"Wird`s besser. Wird`s schlimmer!
fragt man alljährlich.
Seien wir ehrlich:
Leben ist immer
lebensgefährlich!"
                                                    Erich Kästner

12. 08. 2012

Martin Krist, uns besser bekannt als Marcel Feige, stellte seinen neuesten Krimi vor. Es wurde eine "Küchenlesung" der besonderen Art: mit Kuchen, Käse und "Emil".

Das muss man gelesen haben:
Ein Mädchen verschwindet .............. eine alte Frau lässt ihr Leben Revue passieren und blickt auf ein Leben mit einem Ehemann, bei dem einem sämtliche Worte fehlen; wie konnte sie das nur ertragen? ......... Ost-West-Geschichten: die Wiedervereinigung ist noch lange nicht abgeschlossen ............. die üblichen Familiendramen und pubertierende Jugendliche; Erinnerungen an die eigenen "Schandtaten" ............. die Ebenen sind so vielschichtig, dass man den Thriller nicht aus der Hand legen kann und der Spannung folgend muss. Ende gut - alles gut?

27. 07. 2012
Nach getaner Arbeit kann ich zufrieden und müde zurückschauen auf die tolle Zeit in Österreich mit interessierten und engagierten Kolleginnen - dank maiz e. V.

 

"Die Zufriedene" von Miriam Lenk                               "Ruhende" von Hans Stangl

Wer im schönen Nachbarland Österreich anschaffen will, hat im Gegensatz zur Arbeit in der Prostitution in Deutschland, eine Vielzahl von gesetzlichen Regelungen zu beachten und bürokratische Dinge zu erledigen:

- es gibt kein einheitliches, für ganz Österreich geltendes Prostitutionsgesetz,
- jedes Bundesland hat eigene Vorschriften, sodass frau/mann gut beraten ist, sich vorab zu informieren,
- in fast allen Bundesländern ist
    - eine polizeiliche Registrierung erforderlich,
    - als Migrantin muss man zusätzlich eine Arbeitserlaubnis haben und sich entsprechend anmelden,
    - eine "Gesundheitskontrolle" beim Gesundheitsamt (Abstrich, Blutabnahme und Röntgenuntersuchung) wird von allen verlangt und die Kontrollkarte (auch
       "Deckel" oder grüne Karte genannt) muss man bei der Arbeit immer mit sich führen,
    - an das Finanzamt sind pauschal Steuern in Höhe von 250,00 Euro pro Monat zu zahlen,
    - und wer keine Krankenversicherung hat, muss eine abschließen.
- Zusätzlich ist zu beachten, dass die örtlichen Arbeitsbedingungen zur Zeit fast in jeder Stadt diskutiert werden und neue gesetzliche Regelungen folgen könnten:
    - Wien hat letztes Jahr die Straßenprostitution für den größten Teil des Stadtgebietes verboten und gleichzeitig ein Prostitutions- oder Bordellgesetz erlassen mit
       umfangreichen neuen Regelungen für die Betriebe und weiteren Reglementierungen für die SexarbeiterInnen,
    - Oberösterreich will mit einem ähnlichen Gesetz folgen.

Was diese "Bordellgesetze" für die überwiegend "illegalen" Bordellbetriebe bedeuten und wie diese damit umgehen und welche Konsequenzen dies für die Sexarbeiterinnen haben wird, ist noch völlig unklar. Bezweifelt werden kann jedoch, dass eine stärkere Reglementierung und polizeilich-gesundheitliche Überwachung die z. T. bestehenden Missstände angehen und fehlende Arbeitsschutzrechte einführen werden - zumal keine der Regelungen im Dialog mit den BordellbetreiberInnen und SexarbeiterInnen entstanden sind. Wie in Deutschland so agiert auch die Politik und Verwaltung in Österreich nicht auf Augenhöhe mit den Betroffenen  Werden diese zumindest über die neuen Reglungen informiert oder sehen sie sich eines (nahen) Tages mit einer plötzlichen Schließungsverfügung konfrontiert, weil sie z. B. das neue Anmeldeprozedere mit z. T. umfangreichen Baumaßnahmen nicht durchführten?
Auffallend sind die umfangreichen Gebühren und Strafandrohungen: wer z. B. den gesundheitlichen Kontrolltermin verpasst, muss ein Bußgeld zahlen oder verliert die Kontrollkarte und muss das Prozedere von vorn durchlaufen. Also VORSICHT! und vorher gut informieren.

Detaillierte Infos

14. Juli
Hasta la Vista -
ein erotisch, anrührender Film über drei Freunde, die frech, frivol, grenzüberschreitend sind und sich doch ganz normal über ihre sexuellen Wünsche und Phantasien austauschen und sie endlich spüren/erleben wollen und aktiv werden.
"Lars, Philip und Jozef verbindet eine gemeinsame Sehnsucht. Obwohl bereits in ihren Zwanzigern, hatten sie noch niemals Sex – und das soll sich schnellstens ändern! Doch dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, ist gar nicht so einfach. Lars sitzt aufgrund einer fortschreitenden Krankheit im Rollstuhl, Philip ist vom Hals abwärts gelähmt und Jozef ist fast komplett blind. Und ihre überfürsorglichen Eltern verbieten ihnen eine sorgfältig als Wein-Tour getarnte Reise in ein Bordell, das auf ihre besonderen Bedürfnisse eingestellt ist. So organisieren sie sich heimlich den nächstbesten Fahrer namens Claude, der sich bald als die Fahrerin Claude herausstellt, und begeben sich auf eigene Faust in einem Kleinbus auf eine Tour, die sie aus ihrer wohlbehüteten belgischen Heimat an die spanische Küste und damit direkt an das Ziel ihrer Träume führen soll…"

http://www.youtube.com/watch?v=xy5LOdia6AE

Ein Film zum Lachen und Weinen und Nachdenken und ein MUSS für alle "Krüppel", Angehörigen, Freunde und Pflegepersonal und Assistenten.

25. Juni
Ein neuer Krimi des Autors Marcel Feige (u. a. Das Lexikon der Prostitution, Trieb und Wut) erklimmt die Bestsellerlisten. In "Kalte Haut" ermittelt die Kommissarin Sera Muth in einer dubiosen Mordserie, die Berlin mit den USA verbindet. In bewährter Manier spielen auch wieder tages- und gesellschaftspolitische Ereignisse eine Rolle.
Unter dem Alias-Namen Martin Krist erscheint bald "Mädchenwiese". Wer einen kleinen Vorgeschmack erleben will, schaue sich das Video an. Und alle anderen lesen besser. Spannung versprochen!

08. - 10. Juni
Im Rahmen des SAFF - Sex Arbeit Film Festes in Hamburg wurde der Film "Frau Mercedes - Alt werden auf dem Autostrich" gezeigt, der mir rundum Freude bereitete.
Seit 35 Jahren arbeitet Mercedes in ihrem Auto auf dem Berner Autostrich und lässt mit leiser Wehmut ihr Leben Revue passieren und zählt dabei - z. T. im Gespräch mit einem ehemaligen Polizisten und einer Sozialarbeiterin von Xenia - nüchtern die Veränderungen auf:
- früher gab es neben dem Autostrich kaum Bars und Clubs, d. h. es gab auch kaum Konkurrenz - heute ist das Ende des Autostrichs in Sicht; dabei kommen immer weniger Kunden zu immer weniger Frauen - und die werden immer älter.
- früher war das Preis-Leistungsverhältnis klar und gewisse Dinge blieben dem Privaten vorbehalten - heut haben sich die Ansprüche der Kunden verändert und Leistungen wie Küssen und franz. Vorspiel ohne Kondom werden von vielen Sexarbeiterinnen wie selbstverständlich angeboten.
- früher wurden die Frauen von den Kunden verehrt und respektiert; man ging höflich, wenn  nicht sogar freundlich miteinander um - heute fehlen insbesondere der Respekt.
Mercedes denkt an ihre Rente und ist müde. Sie lebt allein und hat ein gewisses Vertrauen zu den Menschen verloren. Sie kann sich längst nicht mehr das luxuriöse Leben wie früher leisten. Und dennoch sagt sie selbstbewusst, dass sie sich in ihrem Leben alles erlauben konnte und alles erleben konnte, was sie wollte. Und so kann sie heute auch gut mit weniger zufrieden sein - sie schaut froh auf die "goldenen Jahre" zurück.

Ein toller Film! Gratulation an Mercedes und das Team.

08. Juni


Veronica und Regina vom Projekt TAMPEP/INDOORS aus Hamburg:
Sie proben wohl schon mal für die große Pressekonferenz und Feier des EU-Projektes INDOORS im kommenden Oktober - das wird spannend!

08. Juni

Günter Zint hat (nach der phantastischen Ausstellung über Domenica) eine weitere, feine Ausstellung, diesmal über sein umfangreiches Werk im Sankt Pauli Museum eröffnet: unbedingt sehenswert!

K i e z l e b e n und leben lassen
- 50 Jahre St. Pauli -

02. Juni - INTERNATIONALER HURENTAG
Seit 1975 feiern wir am heutigen Tag unsere Leistungen in der täglichen Arbeit und unseren Einsatz um Respekt und Rechte als SexarbeiterInnen.
Wir erinnern uns aber auch an den 2. Juni 1975, an dem unsere französischen Kolleginnen zunächst in Lyon und dann in anderen Städten Kirchen besetzten, um auf ihre katastrophale Situation aufmerksam zu machen, die insbesondere geprägt war durch Gewalt und Willkür von Seiten des Staates.
Auch heute kann man noch nicht von Gleichberechtigung sprechen. Doch die Aktionsformen sind andere: das VideoClip „Equal Rights for sex workers“zeigt, was Sache ist.

www.youtube.com/user/indoorsproject/feed?filter=2
 

Sexarbeit ist Arbeit!

SexarbeiterInnen stehen die gleichen Rechte wie anderen ArbeitnehmerInnen zu!

 

 Das Video "Equal Rights" wurde im Rahmen des Projektes INDOORS mit und für Sexarbeiterinnen produziert. INDOORS - Unterstützung und Ermächtigung von Sexarbeiterinnen, die in Lokalen arbeiten - ist ein von der EU finanziertes Projekt (Januar 2011 bis Dezember 2012, Daphne), das mit Partnerinnenorganisationen des TAMPEP Netzwerkes aus Frankreich, Deutschland, Österreich, Bulgarien, Finnland, Italien, Niederlande, Portugal und Spanien umgesetzt wird.

13. 05. 2012
Wahlen kommen und gehen. Während sie für den einen Ausdruck bürgerschaftlichem Engagements und Ausdruck politischer Willensbildung sind, drehen sich die anderen enttäuscht aus Parteienverdrossenheit und Unmut über die Lebens- und Gesellschaftsverhältnisse ab und rechnen sich keinerlei Einflussnahme aus.
Ich beurteile Parteien natürlich auch nach ihrer Haltung zur Prostitution und ihrem Interesse und Engagements für Veränderungen auf der gesetzgeberischen und politischen Seite. Und in dem Sinne waren die Wahlen zur Landesregierung in Nordrhein-Westfalen schon wichtig. Denn mit dem erzielten Ergebnis ist sicher gestellt, dass der Runde Tisch "Prostitution" weiterhin stattfinden wird und eine Chance darstellt, dass Vorschläge zur Verbesserung in unserem Gewerbe erarbeitet werden - auch unter Beteiligung von den Fachberatungsstellen Prostitution in NRW und einigen Sexarbeiterinnen - leider nicht mit der permanenten Teilnahme von BordellbetreiberInnen.
Es ist erstrebenswert, dass andere Bundesländer diesem Beispiel folgen und sich gemeinsam mit allen Beteiligten der Branche an einen Tisch setzen und in Dialog treten, um Verbesserung anzugehen - im Sinne des ProstG.

weitere Infos

13. 04. 2012
Filmtipp: Das bessere Leben

Herzlichen Glückwunsch für diesen neuen, grandiosen Film – eine deutsch-französisch-polnische Produktion – und DANKE an die Beteiligten und die für dieses Werk Verantwortlichen.

„Anne (Juliette Binoche), etablierte Journalistin der Zeitschrift "Elle" aus Paris, schreibt zurzeit an einem Artikel über junge Studentinnen, die sich das Studium nebenbei mit Prostitution finanzieren. Bei ihrer Recherche interviewt sie zwei Mädchen, die offen und ohne Vorbehalte über ihre Erfahrungen berichten. Die Offenbarungen erschüttern die Journalistin und zwingen sie über eigene moralische Wertvorstellungen zu reflektieren. In den tiefgründigen Gesprächen mit Alicja (Johanna Kulig) und Charlotte (Anais Demoustier) beginnt sie immer tiefer in das Wechselspiel zwischen Sex, Geld und Liebe vorzudringen und entdeckt dabei eigene Sehnsüchte und Fesseln, die ihr zuvor nicht bewusst gewesen sind.“ (Quelle: www.filmstarts.de)

Das Schöne an dem Film ist, dass endlich einmal nicht die negativen Klischees der Prostitution von Gewalt und Zwang, Ausbeutung und Fremdbestimmung bedient werden, sondern es werden das Befreiende, die Lust und die Vorteile dieses Gelderwerbs beschrieben. Unspektakulär und realistisch.

Wobei ich fasziniert bin von der Macht der Kommunikation und des Dialogs: die Journalistin hört aufmerksam zu, fragt und setzt das Gesagte in Relation zu ihrem eigenen Leben und Empfinden. Und sie lässt es zu, dass eine versteckte oder zugeschüttete Seite in Ihr zum Klingen gebracht wird: sinnlich - erotisch.

Drei Lebensentwürfe, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Und drei Frauen, die die Suche nach „Einem besseren Leben“ eint.

Ein nach langer Zeit sehr sehenswerter Film, der auch eine gute Grundlage für Diskussionen sein kann.

09. 02. 2012
Eisige, schöne Kälte rundum, die einlädt zu langen Spaziergängen, gut eingepackt, an der traumhaft-schönen Ostsee:

04. 02. 2012
Die Hamburgerinnen demonstrieren für das Recht als Sexarbeiterin auf der Straße in St. Georg zu arbeiten:

14-16 Uhr: Hansaplatz/Hamburg

Aus der Einladung: Sexarbeit braucht die Straße und nicht Aufenthaltsverbote und Bußgelder!
Für gutes Arbeiten, auch auf den Straßen von St. Georg!

02. 02. 2012
ragazza, eine niedrigschwellige Drogeneinrichtung auf St. Georg in Hamburg feiert 20-jähriges Jubiläum.

Einladung: hier

26. 01. 2012
Ariane, eine Sexarbeiterin aus Berlin, gab in Frau TV/WDR ein fantastisches Interview zum 10-jährigen Prostitutionsgesetz. Bravo!

Wer mehr sehen und erfahren will: hier

24. 01. 2012
Der Senat von Hamburg hat heute die sog. Kontaktverbotsverordnung für St. Georg erlassen und will mit einer Bestrafung der Freier (max. Bußgeld: 5.000,00 Euro) die Straßenprostitution bekämpfen und die Sperrgebietsverordnung durchsetzen.
Ehrlicherweise sollten sie zugeben, dass sie in einem "sauberen" Stadtbezirk leben und sich mit ihrer "anderen" Seite nicht auseinander setzen und diese lieber woanders ausleben wollen.
Eine gefährliche Tendenz!

22. 01. 2012

Das chinesische Jahr des Wasserdrachen beginnt.....Zeit zum Aufwachen! Die kuscheligen Zeiten in dem Jahr des Metall-Hasen sind vorbei. Doch das sind keine schlechten Nachrichten, so gilt doch der Wasser-Drache in der östlichen Astrologie als ein Zeichen des Wohlstands, Wachstums und Glücks. Zudem ist es immer wieder für Überraschungen gut. Ruhig wird es in einem solchen Jahr wohl nicht bleiben! Es packt uns in diesem Jahr der Tatendrang. Das Drache-Jahr versorgt alle Zeichen mit Leidenschaft, Energie und einer ordentlichen Portion Ehrgeiz. Träume, denen wir im vergangenen Jahr noch nachgehangen haben, möchten wir endlich realisieren!


06. 01. 2012
ProfiS wächst und gedeiht.
Es entstand im Jahre 2009 als Modellprojekt in Berlin und wird inzwischen in mehreren anderen Städten durch die dortigen Fachberatungsstellen Prostitution angeboten.
Inhalt sind Workshops, die in Bordellen durchgeführt werden. So können sich Sexarbeiterinnen professionalisieren und Wissen erfragen, das in dieser Komplexität nirgendwo sonst abgerufen werden kann. Das Geschäft wird dabei nicht vernachlässigt.
Bis Ende 2011 sind mehr als 100 Workshops veranstaltet worden.

Weitere Infos: hier

01. 01. 2012
Seit 10 Jahren ist nun das Prostitutionsgesetz in Kraft. Niemand ist mit seinem Umfang zufrieden, viele fordern Verbesserungen und vor allem eine konsequente Übertragung auf die anderen Rechtsgebiete. Und trotzdem ist das ProstG besser als die davor bestandenen Strafbestimmungen. Den Schritt zurück will niemand von uns gehen.
Auf das ProstG haben wir mehr als 10 Jahre warten müssen - müssen wir auf eine weitere Verbesserung ebenso lange hinarbeiten?

Doch die Gesetze sind das eine und die Öffentlichkeit das andere. Die Menschen und ihre Medien zu erreichen und zu informieren über unsere tatsächlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen scheint angesichts
- der neuen  Bürgerinitiativen,
- der einknickenden Politik und
- der unsäglichen, von permanenten Opfern triefenden, von eigenen ungeklärten sexuellen Gelüsten getriebenen und Mythen und Legenden über Sex und Crime aufsitzenden Presse
unmöglich. Da helfen nur eigene Verlautbarungen - wie die Presseerklärung von HYDRA e. V.

Download: hier

2011/2012
"Man soll das Jahr nicht nur mit Programmen
beladen wie ein krankes Pferd.
wenn man es allzu sehr beschwert,
bricht es zu guter Letzt zusammen.

Je üppiger die Pläne blühen,
um so verzwickter wird die Tat.
Man nimmt sich vor, sich zu bemühen,
und schließlich hat man den Salat.

Es nützt nicht viel, sich rotzuschämen.
Es nützt nichts, und es schadet bloß,
sich tausend Dinge vorzunehmen.
Laßt das Programm! Und bessert Euch drauflos."

                                                                            Erich Kästner

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